Afghanistan
Kabul lockt deutsche Unternehmen

Afghanistan liegt laut der Weltbank beim Investitionsklima gerade einmal auf Platz 162 von 175 untersuchten Ländern. Dennoch sind nach Schätzungen deutscher Verbände 60 Unternehmen aus Deutschland am Hindukusch vertreten. Und positive Signale aus Kabul sollen noch mehr Unternehmen ins Land locken.

BERLIN. Nach Angaben der Handelskammer Hamburg kommen allein 13 Firmen aus der Hansestadt. Es handelt sich dabei zumeist um Im- und Exportunternehmen. Hamburg ist die Stadt in Deutschland mit der größten Anzahl exilafghanischer Einwohner. 165 Hamburger Firmen unterhalten zudem Geschäftskontakte mit Afghanistan. 500 Deutsche, schätzt das Auswärtige Amt, leben ständig in dem Land.

„Reindeutsche Unternehmen in Afghanistan sind ein sehr überschaubarer Kreis“, sagt Karl-Friedrich Krause, Generalmanager des deutschen Entsorgungsunternehmens Toifor. Seine Firma ist mit drei deutschen Managern und 100 afghanischen Mitarbeitern am Hindukusch tätig – für die Abwasser- und Müllentsorgung sowie Toiletten für ausländische Armeen in Afghanistan. Was sich durch die Entführung zweier deutscher Ingenieure in Afghanistan verändert hat? „Nicht viel, so etwas passiert leider“, winkt Krause ab, der gerade auf dem Sprung nach Kandahar ist. „Einen normal denkenden Unternehmer mit einem klaren Plan hält so etwas nicht ab.“ Seine Firma gehe dorthin, wo es lukrative Märkte gebe – und das seien nun einmal die Krisenregionen vom Irak über Afghanistan bis in den Sudan.

Während die großen deutschen Konzerne zumeist mit Subunternehmen in Afghanistan tätig sind, unterhalten vor allem kleine und spezialisierte deutsche Firmen Vertretungen in dem Land. Siemens baut das Telefonnetz aus und ist an der Modernisierung von zwei Wasserkraftwerken beteiligt. Der Essener Baukonzern Hochtief repariert Straßen.

Eine deutsche Spezialität sind zudem Afghanistan-Heimkehrer: Viele der während der Sowjet-Besatzung aus dem Land geflohenen Menschen haben in ihrer alten Heimat neue Geschäfte aufgebaut. Wie die aus Hamburg stammende Familie Rahimi: Sie hat das 1968 in Kabul gegründete Hoechst-Werk vor zwei Jahren gekauft und stellt inzwischen als Hochpharma AG Hustensaft, Schmerzmittel und Antibiotika her.

Angelockt werden ausländische Firmen von der Afghanistan Investment Support Agency, die ihr Land als „einen der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte“ anpreist. 2,4 Mrd. Dollar seien seit 2003 bereits im Land investiert worden. Der Internationale Währungsfonds rechnet für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von zwölf Prozent.

Während die positiven Zahlen die Unternehmen ins Land locken sollen, schreckt die immer prekärer werdende Sicherheitslage ab. Seit dem Beginn der Entführungen von Ausländern haben dort vertretene Unternehmen und Hilfsorganisationen ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht: Ob Welthungerhilfe oder Toifor – es gilt die „Two-Car-Policy“: Nur noch mindestens zwei besetzte Fahrzeuge werden losgeschickt. Um sich im Krisenfall gegenseitig helfen zu können.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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