Agrarfinanzierung
Kuh auf Kredit

Nicht erst, seit der Milchpreis anzieht, ist die Finanzierung von Bauern ein Milliardengeschäft. Doch Landwirte haben es schwer, qualifizierte Kreditberater zu finden, die die betriebswirtschaftlichen Daten eines Bauernhofes deuten können. Erst jetzt entdecken einige Banken die speziellen Bedürfnisse der Landwirte.

FRANKFURT. Landwirt Hermann Heilker aus Wietmarschen hat glückliche Kühe. Seine 50 Tiere werden in einem hochmodernen Boxenlaufstall gehalten, die Nachzucht in einem Offenfrontstall. „Früher wurde einfach nur angebaut und diese Maßnahme mit Eigenmitteln finanziert“, sagt Heilker. Wenn heute aber eine Betriebserweiterung ansteht, werden gleich größere strategische Schritte geplant. „Der Neubau eines Boxenlaufstalls kostet 5 000 Euro je Kuhplatz – macht bei 50 Kühen 250 000 Euro. Das kann der Betrieb nicht allein finanzieren. Dazu braucht es ein Finanzierungskonzept.“

Einige Banken haben die speziellen Bedürfnisse der Landwirte entdeckt. Die Kreissparkasse Grafschaft Bentheim zu Nordhorn etwa ist ein Vorreiter und hat 1988 ein eigenes Agrarfinanzierungscenter eingerichtet. Alle Mitarbeiter stammen aus der Landwirtschaft und sind bei ihren Finanzierungsgesprächen mit Milchviehhaltung, Schweine- und Geflügelproduktion sowie dem Ackerbau vertraut.

Nicht von ungefähr kam man gerade hier auf die Idee, sich spezieller um die Agrarfinanzierung zu kümmern. Die Grafschaft ist ein landwirtschaftliches Ballungszentrum: Rund 1 700 Betriebe inklusive Zulieferer und Weiterverarbeitung setzen jährlich 600 Mill. Euro um. Lange war deren Finanzierung fest in den Händen der Volks- und Raiffeisenbanken. Mit der Einstellung von Agraringenieur Claus Stopka baute die Sparkasse ihr Center auf, das heute 1 000 Kunden zählt.

Finanziert wird alles von der lebenden Kuh, bis zum Stall; sogar die begehrten Milchquoten können über Kredite gekauft werden. 71 Mill. Euro werden jährlich in Material, Dienstleistungen, Projekte und Anlagen investiert. Pro Betrieb beträgt die Investitionssumme zwischen 20 000 und 70 000 Euro.

Kredit ist das Finanzierungsinstrument Nummer eins der Bauern, weil es unschlagbar günstig ist. „Die Refinanzierung übernimmt oft die Landwirtschaftliche Rentenbank“, erklärt Stopka. Diese ist eine öffentliche Fördereinrichtung, die sich über günstige Rentenanleihen auf dem Kapitalmarkt finanziert. Im Gegensatz zur KfW, die mit Haushaltsmitteln des Bundes gegründet wurde, begann die Rentenbank als Selbsthilfeeinrichtung. Die Landwirte brachten das Eigenkapital selbst ein und profitieren davon bis heute. Hinzu kommt, dass Landwirte für die Aufnahme von Krediten gute Sicherheiten bieten. „Landwirtschaftliche Betriebe weisen im Durchschnitt eine Eigenkapitalquote von 80 Prozent auf“, sagt Karin Gress, Sprecherin der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Gefragt seien vor allem langfristige Finanzierungen.

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