Aktien von Familienunternehmen steigen
Familienunternehmen drehen den Spieß um

Die deutschen Familienunternehmen haben im Jahr 2006 gezeigt was sie können: Porsche sichert sich die Macht bei Volkswagen, Wacker kauft einen Firmenanteil von Aventis. Und das betrifft nicht nur die Großen: Der Index Gex der Familienunternehmen stieg schneller als der Dax.

HB HAMBURG. „Familienunternehmen sind nicht immer nur die Gejagten. Die drehen jetzt den Spieß um“, sagt der Bonner Unternehmensberater Peter May mit Blick auf Porsche. May berät mit seiner Firma Intes die bekanntesten deutschen Familienbetriebe.

May nennt als weitere Beispiele für die neue Angriffslust von Familienunternehmen die private INA-Gruppe, die bereits 2001 den Kugellagerhersteller FAG-Kugelfischer gekauft hatte, den Industriellen Otto Happel, der sich die Kontrolle über MG Technologies sicherte, die Familien Weiss und Wacker, die Anteile ihrer Unternehmen von MAN und Siemens sowie Sanofi Aventis zurückerwarben und der Hamburger Milliardär Günther Herz, der einen bestimmenden Anteil am Sportartikelhersteller Puma kaufte und später noch den Schiffs-TÜV Germanischer Lloyd übernahm. Auch der letztendlich gescheiterte Angriff des Familienunternehmens Merck auf den Medizin-Riesen Schering gehört für May in diese neue Entwicklung. Der Fall VW schlage in seiner Dimension aber alle anderen.

Viele Familienunternehmen verfügen nach Ansicht von May „durch das erfolgreiche Wirtschaften in den vergangenen Jahren“ über volle Kriegskassen. „Zusätzlich erkennt eine junge Garde von Familienunternehmern, dass im Wettbewerb auch Größe zählt und die Internationalisierung vorangetrieben werden muss“, sagt er.

Und die Privatbank Hauck&Aufhäuser ist davon überzeugt, dass Inhaber ihr Unternehmen langfristiger zum Erfolg führen als angestellte Manager: Weil sie auch in zehn oder 20 Jahren das Unternehmen noch stark und gesund sehen wollten, planten sie vorsichtig. Manager dagegen müssten alle drei Monate Quartalsberichte präsentieren und ihre Verträge laufen meist nur fünf Jahre.

Nach Ansicht von May ist im Fall VW/Porsche der Hauptgrund für die Übernahme aber keine wirtschaftliche Entscheidung, sondern die Gefühlslage von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. „Piëch holt VW heim ins Reich der Familie seines Großvaters“, sagt May und erinnerte damit an die gemeinsamen historischen Wurzeln von VW und Porsche.

Piëchs Großvater Ferdinand Porsche hatte in den 30er Jahren den VW Käfer entworfen. Piëchs Vater war in den letzten Kriegsjahren Werksleiter in Wolfsburg. Piëch selbst stand bis 2002 als Vorstandsvorsitzender an der Spitze von VW und leitet seitdem den Aufsichtsrat. Der Sportwagenbauer Porsche - im Besitz der Familien Piëch und Porsche - ist inzwischen mit über 27 Prozent Hauptaktionär von VW und fordert drei Aufsichtsratsmandate.

Aber auch für die VW-Aktionäre hat sich der Porsche-Einstieg gelohnt: Der Kurs der Aktie verdoppelte sich seit Jahresbeginn. Auch andere DAX-Werte in Familienhand liefen hervorragend: BMW legte um etwa 15 Prozent zu, Henkel fast um 30 Prozent, Metro um rund 20 Prozent.

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