Alfred T. Ritter

„Eine 30-Millionen-Strafe wäre das Ende“

Ritter-Sport-Chef Alfred T. Ritter will seine Firma dichtmachen, wenn das Kartellamt seine Bußgelddrohung wahrmacht. Der Mittelständler über steigende Rohstoffpreise, den Auslandsumsatz und seine Freude am süßen Geschäft.
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Alfred T. Ritter: Der Unternehmer will mittelfristig die Hälfte des Umsatzes im Ausland erzielen. Quelle: ullstein bild - aslu

Alfred T. Ritter: Der Unternehmer will mittelfristig die Hälfte des Umsatzes im Ausland erzielen.

Handelsblatt: Herr Ritter, im Juli kaufte der britische Spekulant Anthony Ward sieben Prozent der Weltkakaoernte. Der Rohstoffpreis legte um ein Viertel zu. Rutscht Ritter Sport damit 2010 in die roten Zahlen?

Alfred T. Ritter: Nein, wir planen noch mit keinen Verlusten. Aber eigentlich ist es an der Zeit, die Preise zu erhöhen.

Handelsblatt: Die steigende Nachfrage nach Rohstoffen in den Schwellenländern - darunter auch Nüsse, Milch und Getreide - wird die Achterbahnfahrt der Preise verstärken. Wird Lebensmittelherstellung ein Geschäft für Zocker?

Ritter: Das Geschäft wird jedenfalls hochriskant. Wetter und Missernten spielen heute nur noch eine Nebenrolle. Alles hängt davon ab, ob die Spekulanten gerade in die Märkte rein- oder rausgehen.

Handelsblatt: Auch Sie ordern per Warentermingeschäft - und sind damit selbst ein Spekulant.

Ritter: Zu einem Teil zwangsläufig. Aber wir machen nicht das Spiel, Kontrakte, nachdem wir sie erworben haben, wieder zu verkaufen.

Handelsblatt: Vielen mittelständischen Lebensmittelherstellern fehlt der Finanzpuffer. Steht eine Pleitewelle bevor?

Ritter: Die Gefahr ist groß. Die Gewinnspannen im Schokoladengeschäft sind zu gering, um solche Rohstoff-Preiserhöhungen einfach wegzustecken. Gleichzeitig können wir sie nicht beliebig an den Handel weitergeben. Dort herrscht ein Oligopol fünf großer Ketten, das fast 90 Prozent des Marktes beherrscht. Und die juckt wenig, wie es uns geht.

Handelsblatt: Vor drei Jahren erhöhten Sie im Konzert mit Nestlé, Ferrero, Mars und Co. auf einen Schlag die Verkaufspreise - und riefen sich damit das Kartellamt ins Haus. Sitzen Sie in der Klemme?

Ritter: Das Kartellamt kam auf die glorreiche Idee: Die haben sich bestimmt alle abgesprochen. Die hätten einfach mal auf die Rohstoffbörse gucken sollen, dann hätten sie gewusst, warum sie alle die Preise erhöhen. Wir hatten im Jahr zuvor defizitär produziert, da mussten wir einfach die Verkaufspreise anheben. Dass unser Aufschlag mit 20 Prozent kräftiger ausfiel als bei Wettbewerbern, weil wir höherwertige Rohstoffe verarbeiten, hat die Kartellbehörde dezent übersehen.

Handelsblatt: Dennoch wirft sie Ihnen Preisabsprachen vor.

Ritter: Es ist absurdes Theater. Wenn wir mit einem großen Handelsunternehmen verhandeln, reden wir über einen zweistelligen Prozentbetrag unseres Umsatzes. Für die aber sind es nicht einmal 0,2 Prozent ihres Geschäftes. Und dann haben wir denen angeblich die Preise diktiert?

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  • Vorgestern habe ich mir auch noch ein Tafel Schokolade von Ritter gekauft, mousee chocolate.

    Meine Lieblingsschokolade aus dem Supermarkt ist Feodora.

    Schogetten schmecken gut und Luftschokolade.

    Lindt Schokolade, selbstverständlich und Milka auch gut

    Sarotti lecker und spannend

    Doch wo es mir den Appetit verschlagen hat: Stand ich bei Aldi und dort in der französischen Spezialwoche wurden Pralinen verkauft und ich habe mir die inhaltsangabe durchgelesen: an erster Stelle stand Pflanzenfett, ...

    So wie beim Ersatzkäse....

    da habe ich lieber die original Aldi Trüffel genommen mit Zucker und Kakao drin.

    Wahrscheinlich muss wohl alles den Palmölplantagen weichen und den biokraftstoffen, dafür wird der ganze Urwald abgeholzt und Deutschland macht wohl mit, so wie es gestern im TV kam, der bund für Natur ist dabei.

    Kein Wunder dass niemand mehr an den Klimagipfel glaubt.

    Urwald abholzen und die Urvölker darin lebend mit.

    Wer sind die Verursacher in Deutschland?

  • interessante ansichten eines unternehmers! mein fazit, das ich hundertfach - und hier erneut - bestätigt finde: die spekulation an den kapitalmärkten hat schon lange absurde, realwirtschaftsschädigende züge angenommen. es mag ja sein, wie häufig von finanzvertretern vorgebracht, dass spekulanten für die liquidität im markt sorgen, weil sie in die gegenposition der finanzwette schlüpfen. andererseits lösen gerade diese branchenfremden spekulanten gewaltige bewegungen in einem relativ engen markt aus, die statt mehr planungssicherheit für die unternehmen noch größere unsicherheit im markt auslösen. damit fällt aber das sinnstiftende liquiditätssicherungsargument weg, und die rohstoffspekulation entpuppt sich als das, was sie ist: als hemmungslose wirtschafts- und gesellschaftsfeindliche zockerei, die - wenn nicht abgeschafft - so doch sehr streng reguliert und auf die akteure im jeweiligen markt begrenzt gehört!

  • Andi Stier hat den vollen Durchblick. ;)
    in Waldenbuch hat RiTTER ein gutes image.
    Die Mitarbeiter scheinen nicht versklavt und die Fa. RiTTER auch nicht protzig. M.E. wird in Waldenbuch für den gesamten Weltmarkt (außer Russland) produziert 0> sehr beachtenswert! ich mag das Produkt und ich mag das image dieses Herstellers.
    Wenn hier Preise abgesprochen wurden, soll bitte auch Recht gesprochen werde.
    Anderes Thema: bei den deutschen Tankstellen wird in regelmäßigen Abständen das Zustandekommen der Preise durch das Kartellamt überprüft => die Untersuchungsergebnisse sollten bekannt sein.

  • Nicht nur kleine, sondern auch große Unternehmen leiden immer mehr und mehr an den Spekulanten. Und das gilt auch für die Anleihemärkte unserer Problemländer in der Eurozone. Die trifft es zwar nicht unverschuldet, aber sind trotzdem Opfer, einer skupelosen Spekulantenmacht.
    Das ist wie wenn ich ohne Grund jemandem eine Ohrfeige gebe und der mich nachher totschlägt. Wer hat dann mehr Schuld ? Aber Amerika und England sind offensichtlich nicht bereit diesem Treiben ein Ende zu machen. Die banken dort haben, wie auch die amerikanischen Leserbriefe zeigen, einen viel zu großen Einfluss auf die Politik. Wann entblösst Wikileaks dort endlich die banken.

  • Steht ein betrüger vor dem Richter und sagt, wenn ich nicht mehr betrügen darf, werde ich mein mit betrug erwirtschaftetes Geld nicht mehr ausgeben und liege dem Staat dann als Harzer auf der Tasche!?

  • Kartellwächter???

    Wir haben im Lebensmitteleinzelhandel ein Oligopol im Händlerbereich. Das Kartellamt "wacht" über dieses Oligopol anstatt Vorschläge zu dessen Zerschlagung zu machen. So hatte sich Ludwig Erhard die Soziale Marktwirtschaft" wirklich nicht vorgestellt.

    Überdies ist die Spekulation auf Lebensmittel moralisch nicht vertretbar. Nur werden die Wirtschaftswissenschaften nicht (mehr) als Moral Sciene aufgefasst - mit all den wahrnehmbaren Folgen.

    Das Kartellamt müsste gerade umgekehrt vorgehen, nämlich die Einkaufspreisdiktate der Lebensmitteleinzelhandelsoligopolitsten mit wachen Augen unter die Lupe nehmen. Ansonsten sollte das Kartellamt besser in Nachwächter(staats)mat umbenannt werden.

  • Ritter Sport ist die blaupause des anständigen, ehrbaren Kaufmanns. ich kann nur hoffen, dass es ein faires Kartellverfahren geben wird. Wenn danach eine Preisabsprache zweifelsfrpei bewiesen ist, muss eine Strafe ausgesprochen werden. Allerdings muss wie bei anderen Urteilen auch die Urteilshöhe angemessen sein - wenn das Unternehmen in den Ruin getrieben wird, ist niemanden geholfen.

    Persönlich kann ich mir den Vorwurf nicht vorstellen, weil die Marktmacht im Süsswarenmarkt bei einigen ganz grossen liegt und Ritter da keine Rolle spielt. ich glaube, die Kartellwächter sollten in lieber mal die Strukturen im Handel überprüfen: hier haben wir ein Oligopol einiger weniger sehr mächtiger Handelsunternehmen. Die diktieren Preise und gehen dann auch noch mit Handelsmarken in Konkurrenz zu den Markenherstellern. Da läuft einiges schief.

  • die amerikanischen Konzerne wie Cadbury oder Hershey warten nur auf ein Opfer wie Ritter.
    in Nordamerika kostet Schokolade fast doppelt soviel wie in Deutschland. Und dann ist die Qualitaet unterste Schublade.
    Glaub mir, ich wohne hier ueber seit 20 Jahre.

  • Das ist wie im Kachelmann-Prozess. "The Show Must Go On". Staatlich diktiert!

  • ja ja.. zu teuer im Einkauf,... HA !
    Da werden sich Manager, Prokuristen , Abteilungsleiter und die inhaberfamilie die Taschen voll stopfen.
    Die Mitarbeiter kriegen allenfalls Hungerlöhne und der Kunde darf zahlen. So ist das in der kapitalistischen Welt

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