Alno-Chef Max Müller
Held oder Gierschlund?

Der Küchenbauer Alno ist weiter im freien Fall. Die finanzielle Lage ist verfahren. Nun heißt es, Vorstandschef Max Müller habe lukrative Zusatzverträge mit dem Konzern abgeschlossen. Ist der Retter nur ein Raffzahn?
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DüsseldorfFür die einen ist Max Müller ein Held, ein Retter. Für andere ein skrupelloser Geschäftemacher. Müller ist Vorstandschef des Küchenherstellers Alno. Er hat damit einen der schwersten Manager-Jobs, den Deutschlands Wirtschaft zu vergeben hat. Denn einst war Alno Marktführer der stolzen deutschen Küchenmöbelindustrie, heute steckt das Traditionsunternehmen in der Krise: Seit dem Börsengang 1995 erwirtschaftete der Konzern gerade mal in drei Jahren Gewinne.

Müller sollte Alno zu altem Glanz verhelfen. Am Firmensitz im süddeutschen Pfullendorf, nahe an seiner Schweizer Heimat, feierten sie den Manager bei seinem Antritt im Frühjahr 2011 als Retter von gut 400 Arbeitsplätzen. Und so sieht sich der 66-jährige Geschäftsmann auch selbst. Doch vielleicht kostet er Alno einfach nur viel Geld - zulasten anderer Aktionäre.

Aktuell hat der Küchenkonzern schwerere Geldnöte als bislang bekannt. So konnte die börsennotierte AG ihren Jahresbericht 2011 nicht, wie vorgeschrieben, vier Monate nach Ende des Geschäftsjahrs vorlegen. Der auf der Website des Unternehmens bereits genannte Veröffentlichungstermin Ende April verschwand nach einer ganztägigen Aufsichtsratssitzung kommentarlos aus dem Netz. Laut Alno-Sprecher Thomas Oberle fordern die Wirtschaftsprüfer ein neues Finanzierungskonzept, damit das Unternehmen eine sogenannte "positive Fortführungsprognose" bekommt - also ein Signal, dass der Konzern die Wende zum Besseren schafft.

Auch die bisherigen Zahlen sind schlecht: Ende des ersten Halbjahrs 2011 wies Alno ein negatives Eigenkapital von 68,6 Millionen Euro aus. Der Halbjahresverlust vor Steuern lag bei fast 22 Millionen - ein Zehntel des Umsatzes. Den Rückgang des operativen Verlusts auf 1,7 Millionen Euro im ersten Quartal 2012 feiert Alno bereits als großen Erfolg. Die finanzielle Lage ist nicht erst seit vergangenem Jahr verfahren: Der aktuelle Konflikt nahm seinen Anfang im Februar 2011 - mit der Entscheidung, Müller ins Unternehmen zu holen.

Alno, ein Traditionsunternehmen mit vier Werken, 1800 Mitarbeitern und noch 467 Millionen Euro Umsatz, stand kurz vor dem Exitus. Der damalige Vorstandschef Jörg Deisel, seit knapp zwei Jahren im Amt, versuchte in einem Wettlauf gegen die Zeit, Investoren zu finden. Das Geld reichte nur noch bis Ende des Monats. Eine Kapitalerhöhung war gescheitert, die seit Jahren drohende Insolvenz schien unausweichlich.

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