Altersvorsorge
Betriebsrente mit Fonds soll möglich werden

Eine Länderinitiative zu betrieblicher Altersvorsorge will das Fondssparen bei Arbeitnehmern in kleinen und mittelgroßen Unternehmen fördern. Denn während Angestellte in größeren Betrieben diese Möglichkeit bereits rege nutzen, hinkt der Mittelstand hinterher.
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FRANKFURT. Die Fondsbranche nimmt sich des enormen Defizits in der betrieblichen Altersvorsorge bei kleineren und mittelgroßen Firmen an. Die Fondsanbieter wollen ein Produkt wiederbeleben, das vor mehr als zehn Jahren auf den Markt kam und mangels staatlicher Förderung ein Mauerblümchendasein fristet. Nun haben die Branchenlobbyisten aber auf Länderebene Unterstützung gefunden.

Bundesratsinitiative geplant

Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch denkt über eine Bundesratsinitiative nach und hat dafür bereits neun Bundesländer gewonnen.

Ansatzpunkt der Initiative ist eine klaffende Lücke: Während Beschäftigte in größeren Betrieben ihr Recht auf betriebliche Altersvorsorge (bAV) relativ gut in Anspruch nehmen, "haben wir vor allem im Mittelstand nicht die Verbreitung der bAV, die wir uns wünschen", sagte Steffen Saebisch, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung auf einer Veranstaltung des Fondsverbands BVI. Während der Anteil der Beschäftigten mit Betriebsrente in Firmen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern bei 86 Prozent liegt, hat in Betrieben unter 200 Mitarbeitern weniger als die Hälfte eine bAV, zitierte der BVI eine Studie von TNS Sozialforschung von Ende 2007.

Arbeitgeber bevorzugten bei der bAV unter anderem wegen geringer Verwaltungs- und Haftungskosten die Direktversicherung und die Pensionskasse, sagt Saebisch. Bei diesen so genannten Durchführungswegen fallen in der Regel keine Beiträge zum Pensionssicherungsverein (PSV) an, der Betriebsrenten gegen Insolvenz schützt und zuletzt wegen Beitragserhöhungen massiv in die Kritik geraten ist.

Diese Formen der bAV seien allerdings nicht für alle Arbeitnehmer optimal, sagt Saebisch. Direktversicherungen und Pensionskassen seien wegen geringer Renditen und einer nicht immer notwendigen Absicherung des Todesfallrisikos nicht für jeden Arbeitnehmer interessant, meint er. Viele Beschäftigte wünschten sich neben der Sicherheit ihrer Betriebsrente auch Rentabilität, Insolvenschutz und die Möglichkeit, bei einem Arbeitgeberwechsel die Rentenansprüche mitzunehmen.

Für Hessens Wirtschaftsminister Posch macht es daher Sinn, sich für eine Erweiterung der Formen der geförderten bAV auf Fondsbasis stark zu machen. Als Vorlage dient ihm der seit 1998 im Investmentgesetz geregelte AS-Fonds - AS steht für Altersvorsorge-Sondervermögen - der bisher nicht gefördert wird. Der AS-Fonds ist als Fonds-Sparplan mit 18 Jahren Laufzeit angelegt, das Sparkapital kann bis zu 30 Prozent in Immobilien fließen, der Aktienanteil liegt zwischen 21 und 75 Prozent. Posch stellt sich nun vor, dass der geförderte AS-Fonds gegen Ende der Ansparphase obligatorisch von Aktien- in Rentenfonds umgeschichtet wird. Die Einhaltung der Ober- und Untergrenzen führe automatisch zu sinnvollen Anlagestrategien, meint Saebisch. Ihm gefällt zudem, dass Arbeitnehmer ihr Altersvorsorgekapital bei einem Wechsel der Firma mitnehmen könnten. Für Arbeitgeber entfielen auch hier die PSV-Beiträge. Wenn Arbeitnehmer etwa via Entgeltumwandlung aus ihrem Brutto-Einkommen auch direkt in Fonds sparen könnten, wäre eine Privilegierung des bisherigen privaten gegenüber dem betrieblichen Vorsorgen aufgehoben, meint er.

BVI steht hinter dem Konzept

Der BVI steht "voll" hinter dem Konzept, wie Hauptgeschäftsführer Stefan Seip betonte. "Es gibt in der bAV in Deutschland einen erheblichen Bedarf an einem Instrument mit niedrigem administrativen Aufwand", sagte er. Die AS-Fonds bieten Sparern laut Seip den Vorteil einer langfristigen Fondsanlage mit einem gleichzeitig hohen Sicherheitsniveau. Die Summe der eingezahlten Beiträge soll garantiert werden, damit ähnelt das Konzept der staatlich geförderten Riester-Rente für die private Altersvorsorge. Seip sieht für die Fondsbranche vor allem Potenzial bei den Beschäftigten in den mehr als drei Millionen Firmen des Mittelstands. Längerfristig erwartet er, dass die Fondsanbieter mit den AS-Fonds in der bAV einen Marktanteil von einem Viertel unter den Arbeitnehmern erreichen können, ähnlich des Anteils der Fonds bei der Riester-Rente.

Doch die politische Zustimmung steht noch aus. "Hessen wird diese Maßnahme weiter auf Bundesebene voran bringen", sagte Saebisch. Derzeit prüften die Bundesregierung und die Konferenz der Arbeits- und Sozialminister der Länder das Konzept. Im Dezember werde es auf der Wirtschaftsministerkonferenz diskutiert.

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