Analyse
Ältere Mitarbeiter –­ Chance oder Risiko?

Was für manchen Naiven als "natürliche" Lösung der Arbeitslosigkeit erscheint, zeigt sich heute in einem eklatanten Fachkräftemangel trotz Millionen Arbeitssuchender.

Angebot und Bedarf an Arbeitskräften klaffen nicht nur in der Quantität, sondern leider auch in der Qualität ­ der Qualifikation ­ weit auseinander. Die Gefahr, dass jungen Menschen der Weg ins Berufsleben versperrt wird, wenn die alten Mitarbeiter im Betrieb verbleiben, wird so zum Scheinproblem.

Dabei ist Deutschland immer noch ein Land der jungen Mitarbeiter: Lediglich 39 Prozent sind 55 bis 64 Jahre alt, in der OECD sind es 51 Prozent, in den USA 60 Prozent. Aber wenn der Vorruhestand nicht mehr zu finanzieren ist und wenn die KMU im Wettbewerb um die Jungen nicht die Gehälter der großen Unternehmen bieten können, altern die Firmen zwangsläufig ­ der Mittelstand schneller als die Großunternehmen.

Ergeben sich daraus nun mehr Chancen oder Risiken? Folgt man dem so genannten Defizitmodell, so sind ältere Mitarbeiter weniger innovativ und belastbar, zwar nicht häufiger, aber länger krank. Dem steht das Kompetenzmodell gegenüber, das meines Erachtens glaubwürdiger ist. Danach nimmt zwar bis 60 Lebensjahre die körperliche Leistung ab, die geistige aber nicht. Ältere Mitarbeiter bieten danach hohe Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, Berufs- und Lebenserfahrung, Besonnenheit, Qualitäts-, Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein. Genügend Vorteile also ­ Gesundheitsmanagement, Jobrotation und Job-Enrichment, altersgerechte Personalentwicklung und flexible Arbeitszeitgestaltung sind die Schlagworte, entlang derer die Chancen durch ältere Mitarbeiter zu nutzen sind.

Jörn-Axel Meyer ist Direktor des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen in Berlin. (www.dikmu.de)

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