Angst vor den Billiglohnländern im Osten
Mittelstand nimmt sich eine Auszeit

Der Mittelstand kann seiner tragenden Rolle für den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland nur unzureichend gerecht werden. Jeder fünfte Betrieb beurteile seine künftige konjunkturelle und finanzielle Lage laut "Mittelstandsmonitor 2005" als mangelhaft und ungenügend.

HB DÜSSELDORF. Träger des Berichts sind die KfW-Bankengruppe, der Verband der Vereine Creditreform, das Institut für Mittelstandsforschung (IfM Bonn), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sowie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Mit ihrem „Mittelstandsmonitor“ wollen die Institute eine empirisch fundierte Informationsgrundlage über den Mittelstand erstellen.

Die Konsequenz dieser schwachen Mittelstands-Performance für die Konjunktur wird deutlich, führt man sich vor Augen, dass 99 Prozent der Unternehmen mittelständisch sind – also Eigentümer und verantwortlicher Manager identisch sind – und sie knapp die Hälfte der Bruttowertschöpfung des Unternehmenssektors in Deutschland darstellen. „Bereits seit dem Jahr 2000 blieb das mittelständische Geschäftsklima im Gefolge der ausgeprägten Schwäche der Inlandsnachfrage hinter dem der großen Firmen zurück, heißt es im Mittelstandsmonitor weiter, „wobei sich der Abstand in den letzten beiden Jahren rapide ausweitete.“ Geschäftsklima und Auftragslage lägen immer noch unter dem langfristigen Durchschnitt aller Mittelständler.

Der Negativtrend lässt sich auch an der „Investitionsbereitschaft“ der inhabergeführten Unternehmen ablesen, die zuletzt bei 35 Prozent lag. Das heißt, dass nur gut ein Drittel der Mittelständler im nächsten Halbjahr in neue Projekte investieren will. „Viel zu wenig für einen kräftigen Aufschwung“, befinden die Forschungsinstitute, wenn man bedenke, dass der langjährige Durchschnitt bei 47 Prozent liege. „Wie in den drei Jahren zuvor gingen von den kleinen und mittleren Unternehmen 2004 per saldo keine positiven Impulse für den Arbeitsmarkt aus“, heißt es im Mittelstandsmonitor.

Eine Trendwende ist auch 2005 nicht zu erwarten: „Denn nur gut jeder zehnte Mittelständler plant Personalaufstockungen im ersten Halbjahr 2005, knapp jeder fünfte strebt hingegen eine Reduzierung an“, so die Forschungsinstitute. Daran wird auch die Tatsache nichts ändern, dass sich die konjunkturelle Erholung in diesem Jahr im moderaten Rahmen fortsetzen und der konjunkturelle Rückstand zu den Großunternehmen durch eine leichte Belebung der Binnenkonjunktur verringern wird. „Mit Investitionen in wesentlich größerem Umfang sowie positiven Beschäftigungsimpulsen ist erst zu rechnen, wenn die Mittelständler von der Tragfähigkeit des binnenwirtschaftlichen Aufschwungs überzeugt sind“, erklären die Institute: „Dies ist gegenwärtig noch nicht der Fall.“

Einzig die eher international ausgerichteten Mittelständler aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Großhandel profitieren überdurchschnittlich vom außenwirtschaftlichen Rückenwind; Einzelhandel, Bau und Dienstleistung dagegen hinken hinterher.

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