Anleger auf Ertragssuche
Anleihen von Mittelständlern sind gefragt

Viele Investoren sind angesichts der niedrigen Renditen von Bundesanleihen auf der Suche nach höher verzinsten Anlagen. Das machen sich derzeit einige Mittelständler zunutze. Neue Vertriebswege machen es den Firmen leichter, ihre Papiere an den Mann zu bringen.
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FRANKFURT. Viele mittelständische Unternehmen denken bei der Aufnahme von Fremdkapital nur an Bankkredite. Die sind aber nicht die einzige Geldquelle. Über Anleihen bekommen Unternehmen Geld von vielen verschiedenen Investoren. Und die Gelegenheit dafür ist angesichts der extrem gesunkenen Renditen von Bundesanleihen derzeit günstig.

Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren werfen derzeit 2,3 Prozent Rendite ab. Das macht das absolute Refinanzierungsniveau auch für Unternehmen mit schlechter Bonität günstiger. Dazu kommt, dass Investoren wie Fonds, Vermögensverwalter, Versicherer, aber auch Privatanleger verzweifelt auf der Suche nach Anleihen sind, die höhere Erträge abwerfen. Deshalb greifen sie bei Anleihen von Unternehmen beherzt zu.

Das machen sich auch Mittelständler zunutze. "Anleihen sind bei mittelständischen Unternehmen in diesem Jahr wieder ein Thema geworden", sagt Joachim Heppe, der bei der Commerzbank in Frankfurt das Anleihesyndikat leitet. So hat vergangene Woche der Klinikbetreiber Asklepios eine sieben Jahre laufende Anleihe über 150 Mio. Euro platziert, die sich mit vier Prozent verzinst.

Es geht auch ohne Rating der großen Agenturen

Mittelständler, die in diesem Jahr Anleihen begeben haben, sind zum Beispiel der Pharmagroßhändler Celesio, der Sonnenenergiekonzern Solarworld und der Generikahersteller Stada. Wie Asklepios haben sie darauf verzichtet, ihre Bonität von den großen Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P), Moody?s oder Fitch bewerten zu lassen. Damit sparten sie Zeit und die Provisionen der Agenturen. Dennoch fanden sie genügend Anleger, die ihre Papiere kauften.

Damit stehen die Mittelständler nicht allein. Auch große Unternehmen wie SAP oder Adidas haben kein Gütesiegel der Ratingagenturen. "Da Investoren so viel Geld anzulegen haben, werden sie auch künftig Anleihen ohne Rating kaufen", meint Dominik Huhle, der bei Barclays Capital das Geschäft mit neuen deutschen Unternehmensanleihen leitet.

Der mittelständische Autozulieferer Dürr hat zwar ein Rating. S&P und Moody?s bewerten seine Bonität aber mit den Noten "B" und "B2" und halten das Ausfallrisiko damit für hoch. Dennoch verzichtete Dürr darauf, seine im August platzierte Anleihe bewerten zu lassen. Die fünfjährige Anleihe von Dürr über 150 Mio. Euro verzinst sich mit jährlich 7,25 Prozent.

Der Automobilzulieferer wählte für die Emission - anders als bislang die meisten Mittelständler - nicht den Weg über die klassische Platzierung via Bankenkonsortium, das die Anleihen an institutionelle Investoren verkauft und dafür Gebühren bekommt. Dürr nutzte das im Mai gestartete neue Handelssegment "Bondm" der Börse Stuttgart. Über dieses Segment platzierten auch der Windkraftanlagen-Spezialist Windreich und der Agrarproduzent KTG Agrar neue Bonds über 50 Mio. und 25 Mio. Euro.

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