Anleger besinnen sich der "alten" Investments
Deutschland ist Weltmeister bei modernen Finanzinstrumenten

Nicht ist so beständig wie die Unbeständigkeit. Dies gilt gerade für die Finanzmärkte.

Noch vor drei Jahren bestimmte das Thema "Aktienkultur" sowohl die Schlagzeilen der Presse als auch das Handeln der Banken. Die Finanzierungs-Erfordernisse des Hightech-Zeitalters führten für kurze Zeit zu einem bis dahin in Europa nie zuvor erlebten Aktienfieber. Anleger setzten auf die Aktie und die Wirtschaft nahm diese Chance der Eigenkapital-Beschaffung dankbar an. Sehr rasch erwies sich jedoch, dass sowohl die Banken und die Wirtschaft als auch die Anleger für die von vielen Seiten propagierte Zeitenwende noch längst nicht reif waren.

Noch heute leidet die gesamte Weltwirtschaft unter den zahlreichen Exzessen und kostspieligen Fehlentwicklungen dieser Zeit. Inzwischen hat so mancher Anleger jedoch begriffen, dass die Aktie zwar ein wichtiger - wenn nicht sogar nach wie vor der wichtigste - Bestandteil der Kapitalanlage und des Vermögensaufbaus ist. Doch bei immer mehr Börsianern reifte auch die Erkenntnis, dass die optimale Anlagestrategie im Interesse der Risikoverminderung neben der Aktie und der Anleihe auch andere Investmentformen einbeziehen muss.

In diesem Kontext besinnen sich die Anleger zum einen immer stärker an zeitweise arg in Vergessenheit geratene Kapitalanlagen mit einer sehr langen Tradition. Immobilien und Rohstoffe sind Beispiele hierfür. Zum anderen sind es neue alternative Investments wie Hedge Funds und Private Equity, die das Interesse der Anleger auf sich ziehen. Die Banken reagieren auf die veränderten Bedürfnisse und Erfordernisse mit der Kreation neuer interessanter Anlageprodukte. So kann heute davon gesprochen werden, dass sich nach der Aktienkultur nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Teilen der Welt eine moderne "Investmentkultur" entwickelt, die höhere Ansprüche an alle Marktteilnehmer stellt. Besonders bemerkenswert - und auch überraschend - ist dabei, dass die Aktie in Deutschland im Vergleich zu anderen Industriestaaten noch immer einen geringen Stellenwert hat - Deutschland andererseits jedoch gleichzeitig als "Weltmeister" in Sachen Derivate und hybride Finanzinstrumente gilt.

Assets werden gestückelt und fungibel gemacht

Dort, wo für private Anleger bislang nur wenige Möglichkeiten bestanden, in bislang weitgehend institutionellen Investoren vorbehaltenen Investmentformen zu investieren, suchen findige Köpfe in den Banken nach Lösungen. Diese werden in der Regel in der Form von strukturierten Produkten gefunden. Dabei werden nicht selten größere Assets - also Vermögenswerte - gestückelt, in Anleihen, Zertifikate, Optionsscheine oder andere hybride Finanzierungs- und Anlageformen verpackt und fungibel gemacht.

Durch die Einführung dieser Instrumente an organisierten Börsen werden sie für den Anleger somit als Wertpapiere handelbar. Auf ähnliche Weise profitieren auch die zahlreichen neuen Märkte, die durch die Deregulierung und Liberalisierung bislang staatlich organisierter Einheiten entstanden sind und noch weiter entstehen. In diesem Zusammenhang ist an die Kommunikationsbranche und an die Versorgungswirtschaft zu denken, wo neue Märkte entstanden sind, auf denen z.B. Telefonminuten, Strom und Gas in investierbare und an Börsen handelbare Produkte verpackt wurden. Risiken und Chancen gibt es auch in den bislang unentdeckten "Assetklassen der Zukunft" - nämlich Wasser und Luft. Börsen sind die ideale Plattform für die im Umweltschutz in diesem Kontext kreierte Idee für den Handel von Treibhausgasen.

So können marktwirtschaftliche Prinzipien gefördert werden. Die Wirtschaft kann Risiken transferieren und über die Börse dann zu jenen Anlegergruppen transportieren, die solche Risiken mit der Chance auf künftige Gewinne suchen. Die Besonderheiten all dieser neuen Märkte und oft komplexen Instrumente und deren Einbeziehung in ein modernes Vermögensmanagement erfordern ein spezielles Know how. Der Übergang von der Aktienkultur zur modernen Investmentkultur ist für private und institutionelle Anleger daher eine große Herausforderung. Nur wer sich dieser Aufgabe stellt, wird sich behaupten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%