Anleihenplatzierung
Fremdkapital von der Börse

Kleine und mittelgroße Firmen können sich Fremdkapital nun auch direkt über die Börse beschaffen. Der Broker Schnigge bietet Unternehmen die Möglichkeit an, Anleihen direkt an der Börse Düsseldorf zu platzieren. Für den Emittenten ist die Emission sogar günstiger.

FRANKFURT. „Viele Firmen sind zu klein oder haben zu geringe Anleihevolumina, so dass Banken Emissionen ablehnen. An diese wenden wir uns“, sagte Schnigge-Chef Florian Weber. Zudem sei die Emission für den Emittenten so günstiger, da die Bankgebühren wegfielen. Pilotprojekt ist eine 50 Mill. Euro große Anleihe des Immobilienunternehmens WGF, die seit Montag in der Zeichnung ist.

Klassischerweise wenden sich Firmen bei der Platzierung von Anleihen an Banken, die die Strukturierung und den Verkauf des Papiers übernehmen. Sie berechnen dafür bis zu zehn Prozent des Volumens an Gebühren, garantieren aber auch den Verkauf der Stücke und gehen im Notfall selbst ins Obligo. Vor allem bei Emissionen im dreistelligen Millionenbereich und darüber ist ein Bankenkonsortium unabdingbar.

Im Direktvertrieb muss sich das Unternehmen einen Emissionsexperten, zum Beispiel eine Kanzlei suchen, die etwa das Wertpapierprospekt erstellt. Der Emittent muss sich selbst um Partner für den Vertrieb suchen, Ratingnoten und die Werbung, etwa in Anlegermagazinen, kümmern. Das ist dann zwar preiswerter als mit einem Konsortium, aber auch aufwändiger. „Wir sind noch ein zu junges Unternehmen, um über ein Konsortium zu gehen, daher haben wir den Direktvertrieb gewählt“, sagte Miriam Wessler, Leiterin der Produktentwicklung der WGF.

Man habe bereits zwei Anleihen über Geschäftspartner platziert und erhoffe sich aus der Zusammenarbeit mit Schnigge und der Börse Düsseldorf ein breiteres Anlegerspektrum.

Bei der Platzierung über die Börse kann jeder interessierte Investor unabhängig davon zeichnen, bei welcher Bank er sein Depot hat. Es reicht, eine Kauforder an der Börse – in diesem Fall in Düsseldorf – für das Papier abzugeben. „Platziert eine Firma ihr Papier über einen Bankenpool, können in der Regel nur solche Anleger zeichnen, die ein Depot bei einer der beteiligten Institute haben“, sagte Weber.

Schnigge und die Börse Düsseldorf sind derzeit in Gesprächen mit anderen Firmen über eine Anleihenplatzierung. „Das ist aber alles noch in der Frühphase“, sagte Weber. WGF ist bei einem Erfolg des Pilotprojekts nach Aussagen Wesslers durchaus bereit, noch in diesem Jahr ein weiteres Papier auf diesem Wege zu begeben.

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