Antidiskriminierungsgesetz
Firmen stöhnen über die Bürokratie

Knapp acht Monate ist das Antidiskriminierungsgesetz nun in Kraft. Die erwartete Prozesswelle ist bislang ausgeblieben. Dennoch sind die Firmen höchst unzufrieden mit den neuen Regelungen. Denn sie machen eine Menge zusätzlicher Arbeit.

DÜSSELDORF. Das so genannte Antidiskriminierungsgesetz soll Menschen davor bewahren, im Berufs- und Geschäftsleben wegen ihrer Religion, ihres Alters, Geschlechts oder wegen einer Behinderung benachteiligt zu werden. Nun zeigen erste Erfahrungen der Unternehmen mit dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG), dass die erwartete Prozesswelle von Mitarbeitern oder Bewerbern bislang ausgeblieben ist. Jedoch klagen viele Firmen über den bürokratischen Aufwand im Personalmanagement und über die bestehende Rechtsunsicherheit.

Dies unterstreicht eine in der vorigen Woche vorgestellte Studie des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen (Dikmu) und der Gothaer Versicherung. 80 Prozent der 215 befragten Firmen sprechen danach von zusätzlichem Aufwand. Fast die Hälfte der Befragten prüft bereits intensiv Stellenausschreibungen und Bewerberverfahren, 38 Prozent setzen sogar Zeugen bei Bewerbungsgesprächen ein.

Hintergrund ist die Furcht vor so genannten AGG-Hoppern. Diese bewerben sich zum Schein bei Unternehmen, deren Stellenausschreibungen nach dem AGG angreifbar scheinen – etwa weil sie nicht geschlechterneutral formuliert sind (siehe Checkliste). Das war zwar schon vor dem AGG unrechtmäßig. Doch nun sind Schadensersatzklagen von Bewerbern möglich. Die Praxis zeigt allerdings, dass das AGG-Hopping bei weitem nicht so ausgeprägt ist wie befürchtet.

Die Firmen selbst rechnen ohnehin mit mehr Konflikten innerhalb der Firma etwa bei Beförderungen und Kündigungen. Führungskräfte in kleinen und mittleren Unternehmen seien viel zu wenig für mögliches Fehlverhalten ihrerseits sensibilisiert, resümiert Jörn-Axel Meyer, Vorstandschef des Dikmu: Laut der Studie haben sich erst wenige Mitarbeiter in diesen Firmen fundiertes Wissen zum Antidiskriminierungsgesetz angeeignet – entsprechend unterschätzen sie mögliche Folgen und Schadensersatzzahlungen wegen Verstößen gegen das AGG.

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