Antworten der Regierungen
Mehr Spielraum für Unternehmer

Die internationale Finanzkrise trifft auch mittelständische Unternehmen, und zwar weltweit. Die Antworten der Regierungen unterscheiden sich indes oft deutlich, selbst innerhalb der Europäischen Union. Im Unterschied zu Deutschland setzt Frankreich zur Bewältigung der Finanzkrise auf kurzfristige Kredite und steuerliche Erleichterungen für Firmen.

DÜSSELDORF. "Während Deutschland eher auf eine Stimulierung der Nachfrage setzt und zum Beispiel Anreize für Gebäudesanierungen, Autokäufe und die Inanspruchnahme von Handwerksleistungen geben will, hat Frankreich auch spezielle Anbieter-orientierte Programme für den Mittelstand aufgelegt", erklärt Carsten Rössel, Steuerberater und Mittelstandsexperte beim Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC).

Die Nachbarn haben bereits sehr früh konkret auf die Krise reagiert. Hierzulande hingegen hat die Politik gerade erst ein Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. Als ein zentraler Akteur der Krisenbewältigung fungiert in Frankreich die staatliche Fördereinrichtung und Innovationsagentur Oséo. Sie gewährt jetzt auch Garantien für kurzfristige Kredite, zum Beispiel Überziehungskredite. "Dadurch verschafft sie den Unternehmen Spielraum, um etwa die Verbindlichkeiten in langfristige Darlehen umzuwandeln", sagt Michel Nisse, der als Partner für PwC in Frankreich das Mittelstandsgeschäft betreut. Für dieses Instrument stehen der Oséo zusätzlich rund fünf Mrd. Euro zur Verfügung.

Der Sicherung des kurzfristigen Finanzierungsbedarfs dient auch die Möglichkeit, Sozialabgaben zu stunden. Kleine französische Unternehmen (bis zu zehn Mitarbeiter) hätten diese Abgaben normalerweise zum 15. Oktober zahlen müssen. Nun konnten sie die Abführung auf den 15. Dezember verschieben - zumindest kurzfristig steht ihnen damit mehr Liquidität zur Verfügung. Größere Mittelständler (zehn bis 50 Beschäftigte) führen die Gelder monatlich ab; ihnen wurde eine Verschiebung bis zum 15. November gewährt.

Eine Besonderheit in Frankreich: Viele Hilfsmaßnahmen setzen auf lokaler Ebene an. Jede Woche laden die Präfekten der Departements Vertreter der Oséo, der nationalen Banque de France, Gewerkschafter, Unternehmer und Banker zu Treffen ein, bei denen nächste Schritte abgestimmt und aktuelle Entwicklungen besprochen werden. "So können die Beteiligten viel schneller auf neue Erfordernisse reagieren", sagt Nisse. Vorteil dieses basisnahen Vorgehens: Die Akteure fällen keine abstrakten Entscheidungen; sie kennen die Probleme, die Unternehmen und deren Bedürfnisse aus persönlicher Anschauung. So dürften auch Banken eher bereit sein, Kreditlinien zu halten oder auszuweiten. Denn allgemein verhalten sie sich auch in Frankreich bei der Kreditvergabe derzeit eher zugeknöpft. Dem Mittelstand kommt auch eine Besonderheit des französischen Finanzsystems zu Gute: Im Nachbarland steht bislang bereits Kapital aus staatlich regulierten und steuerlich geförderten Sparbüchern für zinsgünstige Kredite im sozialen Wohnungsbau zur Verfügung. Dazu führen Banken die Einlagen dieser Sparbücher zum Teil an die staatliche Beteiligungsgesellschaft Caisse des Dépôts et Consignations (CDC) ab. Die Banken sollen nun aber einen großen Teil des Geldes in ihren Bilanzen halten dürfen, sofern sie die Mittel als Kredite an klein- und mittelständische Unternehmen auszahlen.

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