Arbeiter werden am Erfolg beteiligt
Regierung fördert Kapitalanteile am Arbeitgeber

Die Regierung will die Beteiligung von Mitarbeitern an ihren Unternehmen künftig stärker fördern. Ab 2009 wird der steuerliche Freibetrag für den Erwerb von Kapitalanteilen am Betrieb auf 360 Euro erhöht. Von der staatlichen Bezuschussung soll auch der Mittelstand profitieren. Doch Mitarbeiterbeteiligungen haben einen entscheidenden Nachteil.

WERTHER. Die Koalitionsparteien SPD und CDU haben sich bereits auf ein Konzept geeinigt: So soll ab 2009 der steuerliche Freibetrag für den Erwerb von Kapitalanteilen am Arbeitgeber von derzeit 135 Euro auf 360 Euro pro Jahr erhöht werden. Gefördert werden aber nur kostenlose oder billigere Anteile an der Firma des Arbeitgebers. Geplant ist auch ein Branchenfonds, in den Mitarbeiter alternativ zur Direktbeteiligung an ihrem Unternehmen investieren können. Damit soll das so genannte Klumpenrisiko gesenkt werden.

Denn Mitarbeiterbeteiligungen haben einen entscheidenden Nachteil: Laufen die Geschäfte nicht so gut, verliert der Arbeitnehmer nicht nur die Arbeit sondern auch Kapital. Aber nicht nur er - auch der Staat, der die Mitarbeiterbeteiligung mit Steuerfreibeträgen subventioniert - verliert Geld. Experten rechnen durch die Erhöhung des Freibetrages mit Mindereinnahmen in Höhe von rund 300 Mill. Euro pro Jahr.

Von der staatlichen Bezuschussung soll auch der chronisch klamme Mittelstand profitieren. Nach wie vor führt der Mittelstand, der von der Förderung der Mitarbeiterbeteiligung profitieren soll, die Insolvenz-Statistik an. Das Unternehmen Coface stellt aktuell eine deutliche Verschlechterung des Zahlungsverhaltens der Unternehmen weltweit fest. Verglichen mit demselben Zeitraum 2007 stiegen die Zahlungsverzögerungen der Unternehmen in den ersten vier Monaten des Jahres 2008 um 45 Prozent an. Die Mittelstandsstudie der Universität Münster in Kooperation mit der WGZ Bank führt bei vier von fünf Unternehmensinsolvenzen die Schieflage auf ein schlechtes Controlling und Debitorenmanagement zurück.

Die Insolvenzen resultieren also meist nicht aus Marktstrukturen oder Absatzproblemen, sondern zu 90 Prozent aus Finanzierungs- und Liquiditäts-Engpässen - sprich zu hohen Außenständen, Zahlungsverzügen und Forderungsausfällen. Damit die erst gar nicht entstehen, setzt Stahlhändler August Dreckshage GmbH & Co. KG aus Bielefeld von Anfang an auf Forderungsmanagement.

"Jeder Verkäufer ist dafür verantwortlich, dass keine unbeglichenen Forderungen entstehen", sagt Werner Schäper, Prokurist bei Dreckshage. Das Unternehmen hat dazu eine ausgefeilte Systematik entwickelt: "Nach der Bonitätsprüfung wird ein Limit hinterlegt. Bei offenen Forderungen setzt die EDV automatisch Grenzen", so Schäper. Dazu kann jeder Verkäufer die Zahlungshistorie der Kunden genau nachvollziehen. Das System zeigt an, wie viel Prozent der Rechnungen pünktlich bezahlt wurden - und berechnet die Verzugszinsen.

Soviel Transparenz zahlt sich aus: bei Dreckshage tendieren die Zahlungsausfälle gegen Null. Von dem guten Ergebnis profitieren die Mitarbeiter: Dreckshage beteiligt sie individuell am wirtschaftlichen Erfolg. Die Ergebnisbeteiligung wird ausbezahlt und nicht in die Firma reinvestiert. Schäper: "Beteiligungsmodelle sind viel zu teuer und zu aufwendig."

Winfried Neun, Unternehmensberater und Geschäftsführer der Neun Consulting Group, bemängelt an dem Regierungskonzept den fehlenden Bezug von Förderung und betriebswirtschaftlichen Kennzahlen: "Eine Beteiligung ist nur sinnvoll, wenn der Mitarbeiter wie der Unternehmer denkt, die Kennzahlen kennt und daraus auch eine Identifikation mit der Firma entwickelt." Eine effektive Mitarbeiterbeteiligung gehe im Optimalfall weit über die Umwandlung eines Lohnoder Tantiemenanteils hinaus. "Ansonsten droht die Mitarbeiterbeteiligung zu einem Abzug auf der Lohnsteuerkarte zu verkümmern." Und das läge ebenso wenig im Interesse des Arbeitgebers wie des Arbeitnehmers.

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