Arbeitnehmer-Beteiligung
Mitarbeiter als Chance in der Krise

Experten erwarten in Deutschland einen wichtigen Schub für Modelle zur Beteiligung von Arbeitnehmern am eigenen Unternehmen. Sowohl SPD als auch Union machen sich bereits konkrete Gedanken über eine Mitarbeiterbeteiligung im Sanierungsfall. Den Sozialdemokraten schwebt dazu ein jährlicher Steuerfreibetrag von 12 000 Euro vor.

BERLIN. Die Idee, Mitarbeiter am Kapital und am Erfolg zu beteiligen, feiert derzeit eine Renaissance. So ist bei Opel im Gespräch, dass die Arbeitnehmer durch einen Lohnverzicht in Höhe von 1,2 Mrd. Euro eine Beteiligung von zehn Prozent am Unternehmen erwerben sollen.

Unabhängig von der Ausgestaltung dieses Modells begrüßt Heinrich Beyer, Geschäftsführer Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP), diesen Vorstoß. "Man hat in den schweren Zeiten erkannt, dass die Beteiligung von Mitarbeitern hilfreich sein kann. Die Berührungsängste sind weggefallen", urteilt Beyer.

Wenn Arbeitnehmer fragen, warum Modelle der Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Krisenzeiten diskutiert werden und nicht in den Jahren, in denen das Unternehmen noch Geld verdient hat, komme man natürlich in Erklärungsnot, räumt Beyer ein. Aber unter dem Strich könnten die derzeitigen Entwicklungen für einen wichtigen Schub bei der Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital sorgen. Prinzipielle Nachteile für die Arbeitnehmer sieht Beyer nicht. In der jetzigen Situation gehe es häufig darum, Zahlungen an die Mitarbeiter zu reduzieren. "Wenn man diese Einsparungen in Beteiligungen umwandelt, könnte der Arbeitnehmer in besseren Zeiten davon profitieren. Wenn das Unternehmen tatsächlich in die Insolvenz gehen sollte, hätte er nichts verloren", lautet Beyers Rechnung.

Sowohl SPD als auch die Union machen sich bereits konkrete Gedanken über eine Mitarbeiterbeteiligung im Sanierungsfall. Die SPD hat dafür einen Steuerfreibetrag von bis zu 12 000 Euro jährlich vorgeschlagen. Das heißt, bei der Umwandlung der Löhne in Kapitalanteile werden diese bis Erreichen der Grenze steuerlich freigestellt. Erst bei einem Verkauf würden entsprechende Steuern anfallen.

Im Vergleich zu anderen Ländern spielt die Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland keine große Rolle. Lediglich zwei Prozent der deutschen Unternehmen bieten nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ihren Mitarbeitern Kapitalbeteiligungen an. In Frankreich liegt die Quote bei sieben Prozent, in Großbritannien bei 23 Prozent.

Nach der Reform des Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetzes, das im April 2009 in Kraft getreten ist, hat sich die Attraktivität nicht wesentlich verbessert. Beispielsweise wurde der steuer- und sozialversicherungsfreie Höchstbetrag von 135 Euro auf 360 Euro erhöht. Zudem wurde der Kreis der Förderberechtigten erweitert. Die Einkommensgrenze für zusammen veranlagte Ehepartner wurde auf 40 000 Euro erhöht.

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