Arbeitsmarkt
Firmen kämpfen um junge Auszubildende

Betriebe reißen sich um die Schulabgänger, schließen so früh wie möglich Lehrverträge. Dennoch dürften Zehntausende Stellen unbesetzt bleiben.
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BerlinDie Wirtschaft reißt sich um die Schulabgänger, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr: Bis Ende Mai 2011 haben die Industrie- und Handelskammern 148 919 neue Ausbildungsverträge für das kommende Lehrjahr registriert. Das sind im Westen wie im Osten Deutschlands 13 Prozent mehr als im Mai 2010, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, dem Handelsblatt. „Das ist neuer Rekord. Die florierende Konjunktur und der steigende Fachkräftebedarf beflügeln den Ausbildungsmarkt“, erklärt Driftmann den Ausbildungshype. Im Handwerk zeigt der Trend ähnlich steil nach oben. Industrie und Handel bilden rund zwei Drittel aller Lehrlinge aus, das Handwerk ein Drittel.

Schon bis Ende April hatten die Betriebe rund ein Zehntel mehr Auszubildende unter Vertag genommen als im Vorjahreszeitraum. Das sei vor allem ein „Vorzieheffekt“, hieß es damals beim DIHK: Aus Angst, keinen fähigen Lehrling mehr zu bekommen, sicherten sich Unternehmen den Nachwuchs eben möglichst früh. Nun verblüfft der anhaltende Boom die Experten. Dennoch werde die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bis Oktober, wenn das neue Lehrjahr beginnt, wohl allenfalls um fünf Prozent über dem Vorjahresniveau liegen, prognostiziert der DIHK. Denn für einen größeren Anstieg fehlten trotz doppelter Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen und der Aussetzung der Wehrpflicht schlicht die Bewerber, meint Driftmann: „Die Zahl der Abgänger aus Haupt- und Realschulen wird 2011 um 3,5 Prozent zurückgehen.“

Driftmann fürchtet daher, dass auch in diesem Jahr wieder mehr als 50 000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. „Um so ärgerlicher ist es, wenn Jugendliche Stellen kurzfristig nicht antreten, nachdem sie zuvor mehrere Verträge abgeschlossen haben“, meint Driftmann. Knapp vor Ausbildungsbeginn könnten Unternehmen offene Ausbildungsplätze dann meist nicht mehr besetzen. Mehr als jede fünfte Firma gebe dies als Grund für unbesetzte Lehrstellen an. „Das ist nicht nur schlecht für die betroffenen Betriebe, es geht auch zulasten schwächerer Schulabgänger und Altbewerber“, so Driftmann.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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