Arbeitsplätze für Behinderte
Guter Wille und gute Geschäfte

Social Entrepreneurship: Viele mittelständische Unternehmen schaffen Arbeitsplätze für behinderte Menschen. Mit reiner Wohltätigkeit hat das nichts zu tun, denn die Unternehmen sparen damit auch viel Geld.

Franziska Grau feiert ihre Erfolge, wenn sie kommen. Jeden Morgen grüßte die Geschäftsführerin des Leuchtenherstellers Tobias Grau ihren neuen Mitarbeiter in der Lampenmontage freundlich, doch dieser antwortete nicht, er arbeitete wortlos weiter. Dann endlich, nach mehreren Monaten, bekam sie eine schüchterne, aber doch hörbare Antwort. Damit war ihr klar, dass sich der neue, geistig behinderte Kollege in ihrem Unternehmen wohlfühlt.

Behinderte Mitarbeiter zu beschäftigen erfordert eine Kraftanstrengung für Kollegen und Vorgesetzte. Lassen Unternehmen sich aber auf das Wagnis ein, erleben sie „eine Bereicherung für das gesamte Team und eine Verbesserung für das Betriebsklima“ – davon ist Franziska Grau überzeugt. In ihrem 100-Mitarbeiter-Unternehmen, das sie zusammen mit ihrem Mann Tobias Grau in Rellingen bei Hamburg führt, beschäftigt sie seit 14 Jahren in der Montage körperlich und geistig behinderte Menschen. Eine Mitarbeiterin mit Handicap hält die Cafeteria am Laufen.

Damit befinden sich die Graus in guter Gesellschaft. Viele mittelständische Firmen beschäftigen Menschen, die den hohen Anforderungen des Arbeitslebens nicht permanent gerecht werden können. Doch dabei geht es ihnen nicht nur um gesellschaftliches Engagement als Unternehmer – Social Entrepreneurship –, sondern auch um ihre Gewinne, wie es in einer Studie der kalifornischen Skoll Foundation heißt.

Der Kinderradhersteller Puky in Wülfrath hat Teile seiner Produktion an Behindertenwerkstätten ausgelagert. Oftech aus Troisdorf, ein Spezialist für Oberflächentechnik, beschäftigt schwer vermittelbare Jugendliche, die aufgrund schlechter Schulnoten oder wegen einer Behinderung keine Lehrstelle finden. Bei dem Gabelstaplerhersteller Still arbeitet ein Team im Ersatzteillager. In mehreren Ikea-Häusern bauen Menschen mit Handicap zurückgegebene Möbel für den Schnäppchenverkauf auf. Andere Manager haben sogar Firmen eigens für die Beschäftigung von Behinderten gegründet: Andreas Heinecke rief Ende der 80er-Jahre die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ ins Leben, in der Besucher die Lebenswelten von Blinden nachempfinden können. Seitdem haben 5 000 blinde und sehbehinderte Menschen für ihn gearbeitet.

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