Arbeitsrechtler Bernd Weller „Zeitkonten helfen, Mitarbeiter zu binden“

Vor dem Sabbatical sollte man die Rahmenbedingungen vertraglich festhalten. Arbeitsrechtler Bernd Weller kennt die Fallstricke – und gibt Tipps zur Finanzierung einer Auszeit von der Arbeit.
  • Christine Haas
Kommentieren
Der Partner in der Kanzlei Heuking gibt Tipps zur Finanzierung einer Auszeit. Quelle: PR
Bernd Weller

Der Partner in der Kanzlei Heuking gibt Tipps zur Finanzierung einer Auszeit.

(Foto: PR)

KölnBernd Weller, Partner in der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek in Frankfurt, gibt Tipps für die Auszeit.

Arbeitnehmer wollen während einer Auszeit oft einen Teil des Gehalts weiter beziehen. Wie wird das finanziert?
Gängig ist eine Teilzeitvariante: Der Mitarbeiter arbeitet einige Monate Vollzeit zu 75 Prozent der Vergütung. Dafür wird diese während der Freistellungsphase fortgezahlt. Die zweite Möglichkeit: Überstunden, Boni und Zusatzurlaub auf einem Langzeitkonto ansparen und später in Freizeit umwandeln.

Welche Variante ist weniger aufwendig?
Beim Teilzeitmodell tritt man mit jedem Mitarbeiter in gesonderte Verhandlungen, jeder möchte individuelle Besonderheiten einfließen lassen. Um Sabbaticals zu standardisieren, sind Langzeitkonten besser geeignet. Solche Regelungen gelten für die gesamte Belegschaft, man verhandelt dazu mit dem Betriebsrat.

Halb Deutschland will eine Auszeit vom Job
Auszeit vom Job
1 von 10

Stress im Job, lange Arbeitszeiten und zu kurze Wochenenden: Aus diesen Gründen wollen viele Arbeitnehmer eine Pause vom Job nehmen. Diese Auszeit, auch Sabbatical genannt, ist in Deutschland so stark gefragt wie noch nie – und für einige kann die ruhig länger dauern: 43 Prozent der Befragten wollen zwischen drei und sechs Monaten pausieren. Fast ein Drittel möchte eine Auszeit bis zu einem ganzen Jahr („Sabbatjahr“) und elf Prozent können sich eine Zeitspanne von bis zu zwei Jahren vorstellen. Das sind die Ergebnisse der größten deutschen Sabbatical-Studie des Meinungsforschungsinstituts Fittkau & Maaß im Auftrag von wimdu.de, dem Onlineportal für Ferienappartements. An der Umfrage nahmen 2100 deutsche Internetnutzer teil.

Quelle: wimdu.de

Viele zieht es in die Ferne
2 von 10

Die Gründe für eine berufliche Auszeit sind vielfältig: 57 Prozent der Befragten geben an, Reisen und mehr Zeit für sich haben zu wollen. Frankreich, Thailand, Japan, die USA und Australien sind besonders beliebte Reiseziele. 25 Prozent wollen dabei ungestört sein. 75 Prozent ziehen es dagegen vor, mit dem Partner, mit der Familie oder mit Freunden Urlaub zu machen.

Frauen und Sabbatical
3 von 10

Frauen haben öfter den Drang, ein Sabbatical in Anspruch zu nehmen, weil sie einen „Neustart“ suchen (68 Prozent). Außerdem wollen sie den Alltag bei Beziehungs- (62 Prozent) oder Jobproblemen (58 Prozent) hinter sich lassen. 60 Prozent wollen auf einer Weltreise viele Länder und Kulturen kennenlernen.

Männer und Sabbatical
4 von 10

Bei den Männern hingegen wollen nur 32 Prozent ihr Leben drastisch verändern. 42 Prozent der befragten Männer wollen eine längere Auszeit, wenn es im Job schwieriger wird. Bei Problemen im Privatleben sind es 38 Prozent. 61 Prozent wollen das Sabbatical in Nordamerika oder Kanada genießen.

Verschnaufspause vom Leben
5 von 10

54 Prozent der Studienteilnehmer wollen während eines Sabbaticals zu sich selbst finden. Die Hälfte der Befragten will mit der Auszeit ein Burnout überwinden oder einem vorbeugen.

Neue Sprachen
6 von 10

Häufig geben die Befragten an, dass sie Sprachen lernen (30 Prozent), das Leben grundlegend verändern (21 Prozent) wollen. Schlanke zwölf Prozent wollen diese Zeit für die berufliche Weiterbildung nutzen.

Finanzierung des Sabbaticals
7 von 10

Über die Finanzierung der Sabbatmonate gibt es unterschiedliche Vorstellungen. 72 Prozent der Befragten, die eine Auszeit im Auge haben, rechnen damit, auf Ersparnisse oder Rücklagen zurückgreifen zu müssen. Rund ein Fünftel (19 Prozent) hofft auf finanzielle Unterstützung vom Partner oder von der Familie.

Viele Firmen arbeiten eh schon mit Gleitzeitmodellen. Man muss nur den Stichtag abschaffen, zu dem die Überstunden abgebaut sein müssten, und eine Insolvenzsicherung vorsehen. Obendrein sind Zeitkonten ein Bindungsinstrument: Wer ein großes Zeitguthaben aufgebaut hat, hat Interesse, in der Firma zu bleiben.

Gibt es weitere Möglichkeiten, den Arbeitnehmer nach der Auszeit zu binden?
Eine Kündigungsbeschränkung muss für beide Seiten gelten. Legt man also fest, dass der Arbeitnehmer nach dem Sabbatical mindestens ein Jahr bleiben muss, kann auch das Unternehmen ihm in dieser Zeit nicht kündigen. Die Spanne sollte nicht zu lang angesetzt werden.

Gehört auch das konkrete Sabbatical-Vorhaben in den Vertrag?
Ob Weltreise oder Pflege von Angehörigen – was geplant ist, muss nicht festgehalten werden. Sehr wohl sollte man aber aufnehmen, dass der Arbeitnehmer in dieser Zeit nicht erwerbstätig sein darf – sonst landet er am Ende gar beim Wettbewerber.

Startseite

Mehr zu: Arbeitsrechtler Bernd Weller - „Zeitkonten helfen, Mitarbeiter zu binden“

0 Kommentare zu "Arbeitsrechtler Bernd Weller: „Zeitkonten helfen, Mitarbeiter zu binden“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%