Asien-Pazifik-Konferenz
Öffnung Nord-Koreas könnte Wirtschaft beflügeln

Der vorsichtigen politischen Annäherung an Nord-Korea folgen Gedankenspiele über die wirtschaftliche Öffnung des Landes. Nach den Erfolgen des koreanischen Gipfeltreffens sucht dabei auch die Bundesregierung die Zusammenarbeit mit Pjöngjang.

fmk/hjk/olm SEOUL. Der positive Verlauf des koreanischen Gipfeltreffens in der vergangenen Woche in Pjöngjang hat ein erstes Nachdenken über wirtschaftliche Chancen bei einer möglichen Öffnung Nordkoreas angestoßen. „Wir sind der Meinung, dass Zusammenarbeit eine Annäherung unterstützen kann“, sagte Wirtschaftsminister Michael Glos auf der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Seoul. Deutsche Firmen könnten eines Tages von Produktionsstandorten im Norden beispielsweise über die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen profitieren. Der Präsident des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, BASF-Chef Jürgen Hambrecht, bestätigte die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Nordkorea. Nach Gesprächen mit südkoreanischen Regierungsvertretern übermittelte der CSU-Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk eine Einladung an deutsche Unternehmen, sich an Projekten in Sonderwirtschaftszonen auf nordkoreanischem Boden zu beteiligen.

Während sich die deutsche Asienwirtschaft in Seoul traf, endete in Pjöngjang das Gipfeltreffen zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Roh Moo-Hyun und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Il. Die beiden Staatschefs erklärten ihre Absicht zu dem überfälligen formalen Friedensschluss zwischen ihren Ländern, stellten aber auch die Möglichkeit weiterer Zusammenarbeit der Industrie in Aussicht. Südkoreanischen Firmen sollen eventuell Investitionen im westlichen Teil Nordkoreas möglich werden. Eine zusätzliche Eisenbahnlinie sowie eine Flugverbindung könnten die Infrastruktur ergänzen und damit neue Projekte erst ermöglichen.

Südkoreanische Unternehmen produzieren bisher im Norden in der Sonderwirtschaftszone Kaesong eine Autostunde nördlich von Seoul. Dort arbeiten 17 000 Nordkoreaner für 26 südkoreanische Firmen zu einem Monatslohn von umgerechnet etwa 50 Euro. Vom täglichen Kontakt junger südkoreanischer und nordkoreanischer Arbeiter in den Enklaven erhoffen sich die Politiker auch eine Aufklärung des Nordens über die guten Lebensverhältnisse und die Freiheit im Süden.

„Die Wahrheit lässt sich dann nicht länger unterdrücken“, sagte Glos nach Gesprächen mit der südkoreanischen Führung. Die Nordkoreaner seien viel stärker von der Außenwelt abgeschottet, als es die Bewohner der DDR gewesen seien. Für Südkoreas Großunternehmen eröffne sich zugleich ein günstiger Produktionsstandort mit gleicher Muttersprache.

Auch der deutsche Botschafter in Seoul, Norbert Baas, lobt die Möglichkeiten, die sich in Nordkorea auftun könnten. „Wenn der Tag einer Annäherung kommt, ist die EU mit ihren Vertretungen in Pjöngjang gut vorbereitet, auch wirtschaftliche Zusammenarbeit aufzunehmen“, so Baas. Nordkorea verfüge über Bodenschätze und eine gute Lage zwischen China und Südkorea. Zugleich haben Südkoreas Öffentlichkeit und Politik unvermindert viele Fragen zur deutschen Wiedervereinigung und den Erfahrungen mit der Anpassung einer sozialistischen Wirtschaft an ein kapitalistisches System. „Wir können mit Rat den Koreanern gut helfen“, sagte Baas auch im Hinblick auf den Umgang mit Vorbehalten der Nachbarländer gegen eine politische Einheit Koreas. Minister Glos bestätigte, immer wieder nach deutschen Erfahrungen gefragt worden zu sein. Einige Südkoreaner überschätzten jedoch auch die Parallelen zu Deutschland, warnte Baas. Eine plötzliche Wiedervereinigung sei derzeit eher unwahrscheinlich. Der Weg einer schrittweisen Annäherung scheine wesentlich gangbarer als in Deutschland 1989, so dass sich die Wirtschaft des Nordens lange vor einer formalen Vereinigung beider Landesteile nach und nach anpassen könne.

Die auf der Asien-Pazifik-Konferenz anwesenden Vertreter der deutschen Wirtschaft zeigten zunächst wenig Enthusiasmus für Investitionen in Nordkorea. Das Szenario eines deutschen Engagements in nordkoreanischen Sonderwirtschaftszonen sei ihm bekannt, derzeit diskutiere sein Unternehmen diese Option jedoch nicht ernsthaft, sagte beispielsweise Rudolf Colm, Geschäftsführer bei Robert Bosch in Stuttgart. Als einziges westliches Unternehmen hat bislang der US-Haushaltspapierhersteller Kimberly-Clark zumindest gerüchteweise Interesse an Produktion in Kaesong gezeigt.

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