Atomkonflikt mit dem Iran
Bank Melli steuert Auslandsgeschäft Teherans

Sie ist mit Abstand das größte iransche Kreditinstitut: Jetzt ist die Bank Melli ins Visier der EU-Behörden geraten. Die Europäer verdächtigen das Institut, ein wichtiger Geldgeber des iranischen Atomprogramms zu sein. Doch die Sanktionen sind umstritten.

DÜSSELDORF. Mit ihren Sanktionen gegen die Bank Melli hat die EU nicht nur das größte, sondern auch das traditionsreichste iranische Geldinstitut und ein zentrales Bindeglied des Landes zum Ausland ins Visier genommen. Die Bank, die zum Kern der iranischen Wirtschaft gehört, wird verdächtigt, an der Finanzierung des Atomprogramms maßgeblich beteiligt zu sein. Ein ansehnlicher Teil der Importe, die für das Nuklearprogramm bestimmt sind, werde über Melli abgewickelt. "Die Bank Melli dient als Vermittler für Irans sensible Geschäfte", heißt es in der Begründung der EU.

Finanzkreise in Teheran bezeichnen die Sanktionen als die "schwerwiegendste Strafe gegen das Bankwesen der Islamischen Republik". Die Bank ist mit Abstand das größte iranische Geldinstitut. Die Summe ihrer Kundengelder sei größer als diejenige aller anderen iranischen Banken, sagt Saeed Laylaz, Chefredakteur der iranischen Wirtschaftszeitung "Sarmayeh" (Kapital). Die meisten staatlichen Einfuhren werden über Melli abgewickelt. Die EU hatte bereits Sanktionen gegen die iranische Bank Sepah beschlossen. Auch ihr wurde vorgeworfen, am iranischen Atomgeschäft beteiligt zu sein.

Der Boykott der Melli Bank in der EU werde dazu führen, dass andere ausländische Banken den auf mindestens 30 Mrd. Dollar geschätzten Aussenhandel abwickeln werden, so Laylaz: "Vor allem chinesische Banken sind am Geschäft interessiert." Die Einfuhren würden durch die Sanktionen nicht verhindert, "aber komplizierter und vor allem teurer," so Laylaz. Denn die Abwicklung der Einfuhren setze nun den Einsatz von Zwischenhändlern voraus, was den Import verteure. "Die jetzt schon hohe Inflation wird dadurch einen weiteren Schub erhalten," sagt Laylaz.

Die Melli-Bank kann zum Beispiel in den Vereinigten Arabischen Emiraten ohne Einschränkungen arbeiten, sagte ein Melli-Manager. Die Bank sei "sehr aktiv", sagt Hadi Motameni, Chef des Iranian Business Council in Dubai. Er rechnet damit, dass ein Teil des in der EU unerwünschten Geschäftes in die Golfregion abwandern werde. Allein in den Emiraten ist die Melli-Bank mit mehr als einem halben Dutzend Filialen vertreten.

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