Attraktiver Markt für Eisenbahntechnik
Marokko will Hochgeschwindigkeitsbahn bauen

Die marokkanische Eisenbahngesellschaft hat ehrgeizige Pläne. Zusätzlich zu ihrem bis 2009 laufenden Investitionsprogramm mit einem Volumen von 1,4 Mrd. Euro will sie bereits 2007 mit dem Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn beginnen. Die Wirtschaftsmetropole Casablanca soll zunächst mit Marrakesch und Agadir verbunden werden, später auch mit Tanger im Norden und Oujda im Westen.

bfai TUNIS. Der Bau der geplanten Hochgeschwindigkeitsbahn in Marokko könnte bereits im 2. Halbjahr 2007 beginnen, wenn bis dahin eine Finanzierung gefunden wird. Das gab der Direktor der marokkanischen Eisenbahnen, Mohamed Rabie Khlie, kürzlich bekannt. Eine Durchführbarkeits-Studie für den Abschnitt Casablanca-Marrakesch-Agadir wird erstellt. Langfristig sollen auch die Städte Tanger im Norden und Oujda im Westen an der algerischen Grenze in das Hochgeschwindigkeitsnetz einbezogen werden.

Die Kosten des Projektes wurden von Khlie mit 25 Mrd. Dirham (DH; etwa 2,3 Mrd Euro; 1 Euro = rund 11,00 DH) angegeben, die Fertigstellung des Abschnittes von Casablanca nach Agadir soll 2015 erfolgen. Als Zeithorizont für den Abschluss des gesamten Projektes wird das Jahr 2030 genannt. Die Bahn soll für eine Geschwindigkeit von 300 km/h ausgelegt werden.

Das Office National des Chemins de Fer (ONCF) ist bisher noch eine staatliche Monopolgesellschaft, die auf Basis des Anfang 2005 verabschiedeten Liberalisierungsgesetzes für die Eisenbahnen 2007 in eine private Rechtsform und zwar in eine Aktiengesellschaft übergeleitet werden soll. Das Kapital bleibt zunächst zu 100% beim marokkanischen Staat, eine spätere Privatisierung über die Börse ist aber nicht ausgeschlossen. ONCF erhält mit der Überleitung eine über 50 Jahre laufende Konzession zum Betrieb des existierenden Eisenbahnnetzes. Eine Trennung von Bahnbetrieb und Streckennetz ist nach Angaben von Khlie nicht vorgesehen. Das Liberalisierungsgesetz lässt Bau und Betrieb von neuen Strecken durch private Gesellschaften in Ergänzung zum heute bestehenden Streckennetz aber zu.

Die Hochgeschwindigkeitsbahn wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch von der ONCF selbst gebaut und betrieben. Nach Ansicht von Khlie hat die Staatsgesellschaft die finanziellen und technischen Mittel, um das Projekt in eigener Regie durchzuführen. ONCF konnte nach einem Jahre währenden Umstrukturierungsprozess, unter anderem mit Mitteln der Weltbank und der Europäischen Investitionsbank, 2004 erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben und hat für die Fünfjahresperiode 2005 bis 2009 ein Investitionsbudget von 15,5 Mrd. DH vorgelegt, das Modernisierung und Erweiterung des Netzes zum Ziel hat. Der Modernisierungsbedarf ist groß, er umfasst alle Bereiche - Bahntrassen und -gleise, die Sicherheitsinfrastruktur, rollendes Material und nicht zuletzt die Bahnhöfe.

ONCF verfügt gegenwärtig über ein Streckennetz von 1.907 km, davon sind 1.498 eingleisig, die Quote für die Elektrifizierung liegt bei 54% des Gesamtnetzes. Die Anzahl der Lokomotiven beläuft sich auf 215, davon werden 91 elektrisch und 124 mit Diesel betrieben. Ferner stehen 330 Waggons für den Personentransport und 6.045 für den Gütertransport auf der Inventarliste. 2005 sind 21 Mio. Passagiere befördert worden, ein Plus von 13% gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen 35 Mio. t Fracht, das sind 7% mehr als 2004. Unter den beförderten Gütern waren 27 Mio. t Phosphat und 8 Mio. t sonstiges Frachtgut. Der Umsatz von ONCF ist 2005 um 12% auf 2,56 Mrd. DH gestiegen und konnte nach Angaben von Khlie im ersten Halbjahr 2006 weiter zulegen.

Im August 2006 ist der erste von insgesamt 24 doppelstöckigen Vorortzügen von dem italienischen Hersteller Ansaldo Breda geliefert worden. Der Auftrag war im Juni 2005 nach einer internationalen Ausschreibung vergeben worden und hat ein Volumen von 2 Mrd. DH. Die Züge werden auf der Strecke Casablanca-Rabat eingesetzt. Weitere Investitionen in rollendes Material erfordern die beiden Neubauprojekte Taourirt-Nador und die Hafenanbindung Tanger-Méditerranée. Daneben ist ein umfangreiches Programm zur Erneuerung des bestehenden Fahrzeugparks angelaufen.

Die Verbesserung der Infrastruktur bezieht sich auf den Bau neuer Strecken, den Ausbau von eingleisigen Strecken zu doppelgleisigen sowie die Verbesserung der Sicherheitseinrichtungen. Allein für die Sicherheit (Signalanlagen, Telekommunikation, Bau neuer Bahnübergänge) sind 2 Mrd. DH eingeplant. Im Juli 2006 wurde der erste Spatenstich für den Neubau der Strecke Taourirt-Nador mit einer Länge von 117 km getan. Dieses Projekt mit einem Volumen von 2,2 Mrd. DH bildet gemeinsam mit der Anbindung des neuen Hafens Tanger-Méditerranée an das nationale Schienennetz, wofür 4,1 Mrd. DH veranschlagt werden, den Schwerpunkt der Infrastrukturinvestitionen bis 2009.

An der Verdopplung der Gleise zwischen Meknès und Fès und von Casablanca nach Settet wird bereits seit 2005 gearbeitet. Die abschließende technische Studie zur Verdopplung auf der Strecke Casablanca-Marrakesch steht kurz vor der Fertigstellung. Für die Modernisierung und den Neubau von 30 Bahnhöfen sind 400 Mio. DH bereitgestellt worden - es handelt sich unter anderem um die Bahnhöfe Rabat Ville, Mohammadia, Casablanca-Port, Marrakesch und Fès.

Selbst wenn sich die Pläne für den Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes nicht in dem angekündigten Umfang oder der genannten Zeit realisieren lassen sollten, Marokko ist zu einem attraktiven Markt für Eisenbahntechnik geworden. Die Erweiterung des Netzes wird in jedem Fall auch in Zukunft vorangetrieben. Außerhalb der Verantwortung von ONCF existieren zwei weitere interessante Großprojekte. In Rabat sowie in Casablanca im Rahmen des Infrastrukturprojektes Vallée du Bouregreg sollen Straßenbahnnetze angelegt werden.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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