Attraktiver Markt mit Risiken
Erfolgsgeschichten am laufenden Band

„Russland nimmt die gleiche Entwicklung wie der Westen – nur viel schneller“, lobt ein Unternehmer den Standort. Doch Interessenten aus Deutschland sollten vor so viel Euphorie beim Gang in den Osten nicht blauäugig sein.

HB WOSKRESENSK. Unendlich ringelt sich die bunte Papierschlange auf das Förderband. Zwei Arbeiter in Blaumännern haben ein waches Auge darauf, dass Papierstrang und Förderband im Gleichschritt funktionieren – Tapetenproduktion der deutschen Firma Erismann in Woskresensk, 80 Kilometer vor den Toren Moskaus.

Vorbei an hohen Schneebergen geht es durch einen hohen Betonzaun auf das Firmengelände, das vom deutschen Schriftzug überragt wird. Modernste Anlagen aus Deutschland laufen hier sieben Tage lang rund um die Uhr und geben 92 Menschen Arbeit. Nur 18 Monate hat das Management von Erismann von der Investitionsentscheidung für Russland bis zur fertig ausgestatteten Fabrik auf einem drei Hektar großen eigenem Grundstück gebraucht – und rund zehn Mill. Euro. „Ein deutscher Schokoladenhersteller hatte die Fläche schon erworben und ein Fundament gegossen. Sonst hätten wir länger gebraucht“, räumt Daniel Faller, Russland-Generaldirektor der Firma Erismann aus Breisach bei Freiburg, ein.

Seit Dezember rollen die Maschinen, schäumen bei 200 Grad Vinyl auf Vliesbahnen und produzieren so sechs bis sieben Millionen Rollen Tapeten pro Jahr. „Unser Grundstück erlaubt eine Erweiterung, an die wir auch bereits denken“, frohlockt Faller. Bald soll eine dritte Anlage die Klebeware ausstoßen, dann eine weitere Halle errichtet werden. „Russland ist mit 170 Millionen verkaufter Tapetenrollen der mit Abstand größte Markt – und er wächst, während in Europa der Tapetenabsatz rückläufig ist“, begründet der Russlanddeutsche die Expansion. In den 90-Jahren war Faller aus dem sibirischen Barnaul nach Deutschland übergesiedelt, 1998 hatte er bei Erismann angeheuert und einen GUS-Vertrieb aufgebaut. Jetzt leitet der 33-Jährige als Generaldirektor die Russland-Aktivitäten der Breisgauer mit einem Jahresumsatz von 18 bis 20 Mill. Euro.

Durch den Sprung in den Osten kann Erismann die russischen Regionen jetzt wesentlich genauer betreuen, Preise und Absatz deutlich besser gestalten. Obwohl bisher noch 80 Prozent der Rohstoffe aus dem Westen kommen, hat der Tapetenhersteller bereits zwei Zulieferer mit nach Russland gelockt: Der Druckwalzen-Hersteller Sügravo aus Lörrach hat auf Erismanns Gelände bereits eine Werkshalle errichtet. „Brauchten wir früher mindestens zehn Tage, wenn wir ein Drucksieb ersetzen und es aus Deutschland beschaffen mussten, geht das jetzt in zwei Stunden“, freut sich Faller. Erleichtert wird seine Arbeit auch dadurch, dass sich der Hersteller der für die Tapetenaufschäumung nötigen PVC-Pasten, die Firma Follmann & Co aus Minden, bereits in einer Erismann-Halle eingemietet hat und dort die Russland-Produktion in Kürze aufnimmt.

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