Auch Anbieter von Innenausstattung profitieren
Deutsche Autozulieferer in den USA gefragt

Des einen Leid ist des anderen Freud. Treffender könnte ein Sprichwort die Situation der deutschen Zulieferfirmen kaum beschreiben. Der US-amerikanische Automarkt steckt tief in der Krise, und deutsche Zulieferer profitieren langfristig davon. Denn die amerikanischen Autobauer brauchen dringend moderne Technik aus Deutschland, um ihren Modellen das Spritsparen beizubringen und die Emissionen zu reduzieren.

HAMBURG. Fast täglich kommen neue Schreckensmeldungen aus den USA. Bereits im Juli wurden jenseits des Atlantiks so wenige Autos verkauft wie seit 16 Jahren nicht mehr. General Motors erlitt allein in einem Quartal einen Verlust von rund 15 Mrd. Dollar. Und General Motors, Chrysler und Ford haben um staatliche Hilfen in Milliardenhöhe gebeten.

Zwar wirkt sich die US-Krise kurzfristig auch auf deutsche Zulieferer negativ aus. Ein Viertel des Umsatzes machen europäische Zulieferer in Nordamerika. Dieses Geschäft werde kurzfristig erst einmal zurückgehen, sagt Lars Stolz, Automobilexperte der Beratungsfirma Oliver Wyman. Doch auf mittlere und lange Sicht ist die Krise eine große Chance für deutsche Zulieferer. "Sie sind innovativ und gut aufgestellt für die derzeitigen Herausforderungen", sagt Stolz. "Sie werden sich im US-amerikanischen Markt gut positionieren können."

Gerade in Hinblick auf Emissionen und Spritverbrauch haben deutsche Zulieferer einen großen technischen Vorsprung gegenüber der amerikanischen Konkurrenz. Und die amerikanischen Verbraucher denken um: Musste es früher ein schwerer Pick-up oder Geländewagen sein, kaufen sie mittlerweile wegen des hohen Spritpreises kleinere Modelle. "Die amerikanischen Hersteller leiden darunter, dass sie vor allem Autos mit hohem Verbrauch und vielen Zylindern auf den Markt gebracht haben. Die verkaufen sich inzwischen deutlich schlechter", sagt Stolz.

Bei der Rheinmetall-Tochter Kolbenschmidt-Pierburg macht sich der Trend zu kleineren Motoren schon seit einigen Jahren bemerkbar. Das Unternehmen, das erst vor kurzem ein neues Technik-Zentrum in Auburn Hills im Bundesstaat Michigan eingeweiht hat, profitiert vom Wandel des US-amerikanischen Automarktes. "Er kommt jetzt mit den gestiegenen Kraftstoffkosten in eine Situation, in der der Verbrauch von Fahrzeugen zu einem entscheidenden Verkaufsargument wird", sagt Vorstandsvorsitzender Gerd Kleinert. Bereits 2007 waren die Folgen für das Unternehmen sichtbar: Im Geschäftsbereich Pierburg verzeichnete es in den USA ein Umsatzplus von 40 Prozent.

Doch nicht nur in Sachen Spritsparen punkten deutsche Zulieferer. Denn das Geld, das Amerikaner durch den Kauf kleinerer Fahrzeuge sparen, stecken sie nun vermehrt in die Innenausstattung und die Elektronik der Wagen.

Auch dies ist ein Feld, das den deutschen Zulieferer große Chancen bietet, wie das Beispiel der die Preh GmbH aus Bad Neustadt an der Saale zeigt. Der Spezialist für Bedien- und Sensorsysteme konnte bereits vor fünf Jahren US-Markt Fuß fassen. Der erste Auftrag war ein Klimabedienteil für ein Modell von General Motors. Im April 2008 wurde Preh GmbH zum dritten Mal in Folge von General Motors als "Supplier of the Year" ausgezeichnet. Das Unternehmen profitiert von dem Trend, dass die amerikanischen Autohersteller unter dem Wettbewerbsdruck deutscher und japanischer Hersteller den Innenbereich der Fahrzeuge aufwerten.

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