Auch jenseits der Branchenriesen lassen sich internationale Erfahrungen sammeln
Wirtschaftsprüfer konkurrieren um Nachwuchs

Wie kaum in einer anderen Branche hat der Wirtschaftsprüfer-Nachwuchs noch Wahlfreiheit: Er kann sich aussuchen, wo er anfängt, weil werdende WPs gefragt sind. Und damit fangen die Probleme an. Die grundlegende Frage, über die entschieden werden muss, ist: Gehe ich zu einer großen, international tätigen Gesellschaft oder besser zu einem Mittelständler?

„Die Größe des Unternehmens allein kann nicht das entscheidende Kriterium sein“, sagt David Thorn, Sprecher der Wirtschaftsprüferkammer Berlin (WPK). „Im Vordergrund sollten die Interessen des Bewerbers und die speziellen Tätigkeitsbereiche der Prüfungsgesellschaft stehen.“

Schlagender Vorteil bei einem Job im Mittelstand ist das breite Einsatzgebiet. Ein Fall für Generalisten. „Das große Plus liegt darin, dass hier auch Prüfungsassistenten einen umfassenden Überblick über Aspekte der Mandantenbeziehung erhalten“, erläutert Thorn. Und: „Es besteht nicht die Gefahr, zu früh zum Spezialisten für einzelne Teilaspekte einer Prüfung zu werden.“

Als Teil der Big Four, den vier größten Firmen der Branche, ist ein solcher Werdegang, weg vom Allgemeinen, eher wahrscheinlich. Allerdings locken hier illustre Namen im Mandantenstamm. „Sich zu spezialisieren, kann ein Vorteil oder Nachteil sein. Deshalb sollte man früh entscheiden, was man will. Wer bei einer großen Gesellschaft einsteigt, wird im Lauf seiner Karriere zum Spezialisten - und das muss man wollen“, sagt Frank M. Hülsberg, Partner Assurance & Advisory, bei Deloitte & Touche, einem der Branchenriesen.

Hülsberg wirbt für einen Einstieg bei den Großen, weil deren Ausbildungsprogramme umfangreich, aktuell und strukturiert seien: „Je nach Karrierefortschritt begleiten wir unsere Mitarbeiter mit Seminaren und Trainingsprogrammen.“ Bei Deloitte ruht die Ausbildung auf vier Säulen: Seminare, deren Inhalte wichtig für eine globale Tätigkeit sind, lokale Trainings, die aktuelle Themen aufgreifen, spezielle Fachseminare und externe Fortbildungen, die zur Vertiefung belegt werden können.

„Ein derart breit gefächertes Angebot kann ein WP-Mittelständler nicht bieten. Dort muss sich der Nachwuchs meist selbst um die Ausbildung kümmern. Ihm stehen dazu häufig nur eine Bibliothek und Fachzeitschriften zur Verfügung“, schildert Hülsberg seine Erfahrung.

Ein Vorzug durch Größe, den auch WPK-Sprecher Thorn sieht: „Interessant bei den großen Gesellschaften sind die internen Aus- und Fortbildungsprogramme.“ Bei international agierenden Prüfern wird der Nachwuchs gleich auf das globalisierte Geschäft geeicht. Allein schon, weil Konzerntöchter weltweit verstreut und in der Ausbildung meist Ortswechsel vorgesehen sind. Dieser Blick über das HGB hinaus wird künftig überlebenswichtig, weshalb auch WPs in kleineren Kanzleien notfalls in Eigenregie ihren Horizont erweitern müssen.

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