Auch kleinere und mittlere Unternehmen könnten von dem Fußball-Ereignis profitieren
Mittelstand verpasst WM-Chancen

Der deutsche Mittelstand übersieht nach Ansicht von Experten Chancen aus der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. „Vielen Unternehmern ist nicht klar, dass sie damit Geld verdienen können“, sagt Heiner Sieger vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW).

DÜSSELDORF. Hinzu komme, dass für kleine und mittlere Unternehmen offizielle Ansprechpartner zur WM fehlten. Eine Entscheiderbefragung der NRW-Wirtschaftsförderung hat gezeigt, dass potenzielle Investoren sich mehr Informationen wünschen. „Da sind die WM-Städte und die Bundesregierung gefragt“, sagt Sieger. Jetzt arbeitet er an einem Leitfaden für Unternehmen, den der Verband im Frühjahr veröffentlichen will.

Die Fußball-WM umfasst 64 Spiele mit bis zu 3,2 Mill. Besuchern in den Stadien. Die Spiele werden vom 9. Juni bis zum 9. Juli 2006 angepfiffen. Gelegenheiten für zusätzlichen Umsatz gibt es während dieser Zeit in den Austragungsorten vor allem für die Gastronomie und die Tourismuswirtschaft, für Veranstaltungsdienstleister und das Sicherheitsgewerbe. Die meisten Aufträge für Baumaßnahmen an Spielorten seien bereits vergeben, sagt Markus Kurscheidt, Experte für Sportmanagement an der Ruhr-Universität Bochum. „Für viele Unternehmen wird die Zeit knapp“, warnt er. Der Wissenschaftler hält einen langfristigen Zuwachs der Wirtschaftsleistung von 1,5 bis zwei Mrd. Euro durch die WM für realistisch. Die Postbank geht von neun bis zehn Mrd. Euro zusätzlichem Bruttoinlandsprodukt aus. Ein Großteil könnte Mittelständlern zu Gute kommen.

„Die fettesten Happen haben die großen Konzerne bereits weggeschnappt“, sagt Kurscheidt. Sie sind offizielle Partner der Fifa. Doch für kleinere Unternehmen gibt es vor allem im Umfeld der Veranstaltungsorte noch Chancen. Museen, Restaurants oder Einzelhändler hätten sich keine Gedanken gemacht, wie sie mit den zusätzlichen Kunden an den Spieltagen umgehen. Auch für andere Unternehmen, etwa Internet-Agenturen, sei es wichtig, rechtzeitig Ideen zu entwickeln.

Zugleich bietet die WM eine Chance, einem größeren Publikum neue Produkte vorzustellen. Deshalb müssen Firmen mit einem großem Werbeaufwand ihrer Mitbewerber während der WM rechnen. „Wer noch nicht aufgewacht ist, sollte sich jetzt beeilen“, appelliert Kurscheidt an den Mittelstand. Unternehmer müssten ihre Innovationskraft spielen lassen.

Der Fußball-Weltverband Fifa hat erkannt, dass die Unternehmen vor Ort mehr Informationen brauchen. In einer Vortragsreihe erläutert die Fifa bei den Industrie- und Handelskammern nun Kooperationsmöglichkeiten und Grenzen, innerhalb derer Mittelständler keine Markenrechte verletzen. „Viele Teilnehmer sind überrascht, dass sie sich trotz des Markenschutzes einbringen können“, sagt Gregor Lentze, Marketingleiter der Fifa in Deutschland. So dürfen regionale Unternehmen erstmals bei einer Fußball-Weltmeisterschaft als Sponsoren der städtischen Begleitprogramme auftreten. Zudem können auch mittelständische Unternehmen Lizenzen für Merchandising-Produkte mit dem Meisterschaftslogo erwerben. Die Fifa bietet außerdem Reisepakete zu Spielen an, mit denen Unternehmen ihre Geschäftspartner einladen können. Daneben unterstützt sie Programme der Hauptsponsoren, die mit regionalen Firmen kooperieren wollen.

Auch an der größten Werbeaktion um die WM dürfen sich Mittelständler beteiligen. Die offizielle Marketing-Initiative „Deutschland – Land der Ideen“, die unter anderem der BDI unterstützt, will das Image des Wirtschaftsstandorts weltweit verbessern. Firmen, die mitmachen, dürfen das Logo der ganzjährigen Kampagne nutzen. Die positive Botschaft der Aktion soll damit auf Unternehmen, die sich zum Standort Deutschland bekennen, abstrahlen. Das hoffen jedenfalls die Organisatoren. „Das Angebot richtet sich an die gesamte Bandbreite der deutschen Wirtschaft“, sagt BDI-Sprecher Albrecht von der Hagen. Für die meisten Mittelständler dürfte die Teilnahme jedoch zu teuer sein: Mindestens 100 000 Euro sollen Firmen beisteuern.

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