Auf Wachstumskurs
Yachtenbauer Dehler holt sich Finanzinvestor ins Boot

Der Starnberger Finanzinvestor Buchanan Capital Partners erwirbt im Rahmen einer Kapitalerhöhung eine Minderheitsbeteiligung an dem traditionsreichen Segelbootbauer Dehler. Wie die Unternehmen mitteilten, will die einst größte deutsche Yachtwerft mit Hilfe des auf mittelständische Unternehmen spezialisierten Private-Equity-Investors verstärkt wachsen.

DÜSSELDORF. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen wird Buchanan eine Sperrminorität von 25,1 Prozent erwerben und dafür einen einstelligen Millionenbetrag bezahlen. Mehrheitsaktionär bleibt Dehler-Chef Wilan van den Berg. Weder Buchanan noch der Bootsbauer wollten dies kommentieren.

Dehler blickt auf eine lange wechselvolle Geschichte zurück. Mehr als 30 Jahre lang galt das Unternehmen des Bootskonstrukteurs Willi Dehler als eine der innovativsten Werften Deutschlands. Dehler verbaute glasfaserverstärkten Kunststoff und wurde so zu einer der beliebtesten Bootsmarken. Die Segelyachten, im Sauerland-Städtchen Meschede-Freienohl produziert, waren vergleichsweise leicht und deshalb schnell, gleichwohl familientauglich und preiswert. Sie waren so etwas wie der erste VW Golf GTI unter Segeln. Doch 1995 schied Willi Dehler aus, 1999 starb er.

Schon unter dem Firmengründer waren die Produktionskosten explodiert, Dehler büßte schwer an Bedeutung und Image ein, fiel weit zurück hinter die neuen deutschen Schwergewichte Bavaria und Hanse. Ende der neunziger Jahre ging die Werft pleite und wechselte mehrmals den Besitzer. Bis sie 2005 der passionierte Hobbysegler van den Berg kaufte und die Wende einleitete.

Der branchenfremde Marketingprofi verlegte die Vertriebszentrale nach Barcelona, wo der heute 46-jährige ehemalige Philips-Manager seinen Hauptwohnsitz hat. Zudem forcierte er die Entwicklung neuer Modelle nach der Devise: mehr BMW als VW, Premium statt Massenware.

Die 2006 vorgestellte „Dehler 44“ wurde zur „European Yacht of the Year gekürt“, im Herbst wurde mit der „Dehler 60“ die bisher größte Yacht des Hauses präsentiert. Das dritte Modell der neuen Ära ist die „Dehler 34“, ebenfalls ein Regattacruiser, der Wohnlichkeit mit hohem Leistungsvermögen verknüpft.

Seit 2005 stieg der Dehler-Umsatz von rund zehn Mill. Euro auf voraussichtlich 30 Mill. Euro in diesem Jahr, die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich von 80 auf 150. „Der Einstieg von Buchanan ermöglicht uns den Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten in Freienohl. So können wir die steigende Nachfrage bedienen und die Wartezeiten für unsere Kunden verkürzen“, sagte van den Berg. Die deutsche Nummer eins, Bavaria, peilt für 2007 einen Gesamtumsatz von 300 Mill. Euro an. Der Finanzinvestor Bain Capital hatte die Werft im Sommer für 1,3 Mrd.Euro gekauft.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%