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Starke Lobby in Moskau

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland entwickeln sich seit einigen Jahren sehr dynamisch. Doch ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Die neu gegründete bilaterale Auslandshandelskammer in Moskau soll Synergien schaffen und den wirtschaftlichen Austausch beschleunigen.

MOSKAU. Ob Autos oder Waschmittel, ob Druckmaschinen, Käse oder Brillengläser – deutsche Produkte erzielen in der Russischen Föderation wieder Rekordumsätze. Die Exporte ins größte Land der Erde dürften 2007 erneut um ein Drittel zulegen und erstmals 30 Milliarden Euro erreichen – doppelt so viel wie vor nur drei Jahren. Dennoch verkaufen deutsche Unternehmen in kleineren Ländern wie Polen, der Schweiz oder Österreich mehr Waren als im 140 Millionen Einwohner zählenden Russland. Für weiteres Wachstum besteht noch ein enormes Potenzial.

Ein wichtiger Meilenstein zum Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen war die Gründung der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) im Dezember 2007 in Moskau. „Damit bekommt die deutsche Wirtschaft hier in Russland eine ganz andere Wahrnehmung“, ist Michael Harms, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Russland, überzeugt. Bislang sind deutsche Unternehmen über den Verband und die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland organisiert. Außerdem gibt es ein Informationszentrum, das sich um Dienstleistungen wie Personalsuche, Registrierungen oder Geschäftskontakte kümmert. „Das bündeln wir nun in der Kammer und werden damit Synergieeffekte erzielen“, hofft Harms.

Der 42-Jährige will mit der AHK in Moskau „eine neue Benchmark“ bei der Interessenvertretung ausländischer Firmen in Russland setzen. Er geht davon aus, dass die neue Institution künftig sowohl in Berlin als auch in Moskau mehr politische Aufmerksamkeit für die Anliegen deutscher Unternehmen in Russland erhält. Das ist auch nötig, denn in Russland gibt es noch viel zu tun: Trotz Hochkonjunktur, zweistelliger Importzuwächse und Liquidität im Überfluss ist das Land immer noch kein Investorenparadies. Täglich klagen ausländische Unternehmen über Probleme bei der Zolldeklarierung, Gängeleien durch Brandschutz- oder Hygienebehörden, korrupte Beamte und ständig neue Erlasse, die sich einander oft widersprechen. Kompliziert ist auch die Beschaffung und Registrierung von Geschäftsvisa.

„Solche administrativen Hürden stören natürlich schon“, sagt Dietrich Möller, Präsident von Siemens Russland und Vorstandsmitglied im Verband der Deutschen Wirtschaft. „Und natürlich würden wir uns wünschen, dass manches einfacher wird. Doch aus eigener Erfahrung wissen wir, dass man insgesamt in Russland viel besser Geschäfte machen kann, als es in Deutschland oft den Eindruck erweckt.“ Das sieht auch Ekkehard Brose, Wirtschaftsgesandter an der Deutschen Botschaft in Moskau, so: „Die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich äußerst positiv und dynamisch.“

Dabei würden deutsche Unternehmen von engen, weit in die Vergangenheit reichenden Kontakten nach Russland profitieren, die sie in guten wie in schwierigen Zeiten gepflegt hätten. Die neue Auslandshandelskammer in Moskau soll diese Beziehungen noch verstärken. Der Delegierte der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms, betont die Bilateralität der künftigen AHK. Russische Firmen, die zum Beispiel Hilfe bei ihrem Markteintritt in Deutschland brauchen, sollen aktiv in die Organisation eingebunden werden. „Das bringt dann auch deutschen Unternehmen Vorteile, die bei ihren Geschäften in Russland wiederum auf Partner hierzulande angewiesen sind“, erklärt der Delegierte.

Deutsche Wirtschaftsvertreter in Moskau begrüßen die bilaterale Struktur. „Ich denke, dass die neue Kammer eine noch stärkere Vermittlungsrolle zwischen russischer und deutscher Wirtschaft spielen wird“, sagt Thomas Mundry, der in Moskau als Rechtsanwalt bei Nörr Stiefenhofer Lutz arbeitet und ebenfalls im Vorstand des Verbandes der Deutschen Wirtschaft sitzt. Mundry bescheinigt Moskau, in den vergangenen Jahren viel für die Verbesserung des Investitionsklimas getan zu haben. „Probleme gibt es in der Anwendung der Gesetze“, erklärt der Rechtsexperte. „Eine wichtige Aufgabe der künftigen Kammer wäre es daher, die Russen noch mehr zu überzeugen, dass Investitionen etwas Gutes für das Land sind.“ Denn nicht immer würden Investoren auch so behandelt.

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