Auftragseingang im August schwächer als im Vorjahr
Maschinenbau spürt Konjunkturabkühlung

Im vierten Monat in Folge liegen die Auftragseingänge im deutschen Maschinen- und Anlagenbau unter den Werten des Vorjahresmonats. Im August lagen die Bestellungen nach Angaben des Branchenverbandes VDMA real um zehn Prozent unter dem Wert vom August 2007.

DÜSSELDORF. Dabei bestellten Kunden aus dem Inland sechs Prozent mehr, während das Ausland 19 Prozent weniger orderte. Aufträge für Großanlagen haben nach Angaben von VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers die Ergebnisse verzerrt. Sonst wäre das Wachstum im Inland schwächer und der Rückgang im Ausland weniger stark ausgefallen.

Der Verband sieht in dem Auftragsrückgang die erwartete Abkühlung der Konjunktur nach den jetzt fünf Wachstumsjahren in Folge. "Insgesamt hat sich der Trend schwächerer Auslandsnachfrage fortgesetzt", sagte Wiechers. Das Inland habe sich lange gut gehalten, aber auch hier erwartet der Verband in den nächsten Monaten schwächere Werte im Vergleich zum Vorjahr.

Die derzeitige Kreditkrise hat sich nach Aussage von Wiechers noch nicht direkt beim Maschinenbau ausgewirkt, allerdings seien einige Kunden vorsichtiger geworden. Für eindeutige Auswirkungen sei es noch zu früh, dies könne aber noch kommen. Rückgänge gab es besonders in den Märkten USA, Japan und den Ländern Westeuropas, die stark unter der Immobilien- und Finanzkrise leiden.

Der Verband sieht keinen Grund, seine Prognose eines Wachstums von fünf Prozent für das laufende Jahr zu revidieren. In den ersten sieben Monaten hat die überwiegend mittelständisch strukturierte Branche ein Plus von 8,8 Prozent verbucht. Die meisten Unternehmen sind bis zum Jahresende ausgelastet. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der nach der Autoindustrie zweitgrößten deutschen Industriebranche um knapp 15 Prozent auf rund 190 Mrd. Euro.

Eine schwächere Auslandskonjunktur spürt auch der zweite große Bereich der Investitionsgüter-Industrie, die Elektroindustrie. Von Januar bis Juli gab in dieser Branche nach Angaben des Chefvolkswirtes des Branchenverbandes ZVEI, Andreas Gontermann, insgesamt drei Prozent mehr Bestellungen. Während aus dem Inland neun Prozent mehr Aufträge kamen, bestellten Kunden aus dem Ausland drei Prozent mehr. Der Umsatz sei von Januar bis Juli um 4,5 Prozent gestiegen.

Die Elektroindustrie profitiert nach Angaben von Gontermann von der anhaltend hohen Nachfrage vor allem der Schwellenländer nach Infrastrukturprojekten wie Kraftwerken oder dem Ausbau des Verkehrssystems. In den Industriestaaten sind Anlagen zur Steigerung der Energieeffizienz nach wie vor gefragt. Deshalb halte die Nachfrage aus den Schwellenländern an, während Kunden aus den USA, Japan und Europa weniger bestellten.

Der ZVEI hat vor kurzem seine Prognose eines Wachstums von zwei Prozent für das laufende Jahr bestätigt. Für 2009 rechnet der Verband mit einem Plus von bis zu zwei Prozent. Im vergangenen Jahr verbuchte die Branche ein Umsatzplus von zwei Prozent auf 183 Mrd. Euro.

Weniger optimistisch als der Branchenverband VDMA ist die WestLB für die Konjunkturaussichten des Maschinenbaus. In einer Sektorstudie schreiben die Analysten der Bank, die derzeit sinkenden Auftragseingänge würden in spätestens sechs Monaten sinkende Umsatzvolumina nach sich ziehen. Die noch hohe Nachfrage aus Asien und besonders China werde von vielen deutschen Unternehmen überschätzt.

Lediglich spätzyklische Branchen wie der Werkzeugmaschinenbau werden nach Ansicht der WestLB noch länger von einer günstigen Nachfrage profitieren. Allerdings werde auch hier spätestens im zweiten Quartal 2009 die Dynamik deutlich nachlassen. Die Abschwungphase wird nach Einschätzung der Bank zwei bis drei Jahre dauern. Sie empfiehlt deshalb eine Untergewichtung des Maschinenbausektors. Unternehmen wie Heidelberger Druckmaschinen und Deutz werden nach Ansicht der Analysten die Abschwächung besonders zu spüren bekommen. Favoriten für die Bank sind Demag Cranes, Gea und Pfeiffer Vacuum.

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