Aufwärtstrend
Mittelstand sieht Ende der Durststrecke

Nach Jahren des drastischen Beschäftigungsabbaus ist im deutschen Mittelstand wieder Zuversicht eingekehrt. Erstmals seit dem Jahr 2000 rechnen die Verbände im laufenden Jahr wieder mit einem realen Umsatzwachstum von knapp einem Prozent. Gar nicht begeistert sind die Mittelständler allerdings von einigen Plänen der großen Koalition.

HB BERLIN. Der Arbeitsplatzabbau werde sich konservativ geschätzt auf 40 000 Stellen im Vergleich zum Vorjahr halbieren, sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler bei der Vorstellung des neuen Mittelstandsberichts. Möglicherweise werde der Stellenabbau auch schon zum Stillstand kommen.

Der Chefvolkswirt des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Alexander Barthel, ergänzte, 2007 sei sogar ein signifikanter Beschäftigungszuwachs nicht ganz ausgeschlossen. Ob es dazu komme, hänge von der Wirkung der beschlossenen Mehrwertsteuererhöhung ab. Zumindest werde der Mittelstand aber die „Null-Linie“ bei der Beschäftigung halten.

Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand, die den Mittelstandsbericht vorlegt, umfasst acht Spitzenverbände aus Handel, Handwerk, Hotel- und Gaststättengewerbe sowie dem Bankenbereich. Sie spricht nach eigenen Angaben für rund 3,3 Millionen Betriebe in Deutschland mit ungefähr elf Millionen Beschäftigten. Damit ist der Mittelstand für die Beschäftigung in Deutschland der wichtigste Wirtschaftsbereich. In den vergangenen Jahren hatte der Mittelstand Hunderttausende Arbeitsplätze gestrichen, wobei allein 2002 rund 600 000 Stellen verloren gingen. Gemessen daran sei ein deutlicher Aufwärtstrend und eine Trendwende unverkennbar, sagte Kentzler.

»  Mittelstand-Special: Aktuelle Berichte, Wissenstests und Tipps zur Finanzierung

Für die Arbeitsgemeinschaft forderten Kentzler und die Vizepräsidentin des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Helly Bruhn-Braas, die Regierung auf, zügig umfassende Strukturreformen bei Steuern, Gesundheit, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau anzugehen.

Kentzler übte Kritik an der Arbeit der großen Koalition. „Ich hätte mir vorgestellt, dass man mutiger an die Sache herangegangen wäre“, sagte er zu den Reformvorhaben der Regierung. Mit ihren Vorstellungen zur Unternehmenssteuerreform wolle die Koalition offenbar auch die kleinen und mittleren Unternehmen „mitnehmen“, sagte er.

Deutliche Kritik äußerte Kentzler an den Diskussionen in der Koalition über die Gesundheitsreform. Die Vorschläge aus dem Koalitionslager krankten daran, dass sie die grundlegenden strukturellen Mängel nicht angingen. Oberstes Ziel müsse es sein, die Beiträge zu senken und von den Löhnen abzukoppeln. Der erste Schritt müsse eine drastische Ausgabensenkung und die Schaffung von Anreizen zum wirtschaftlichen Handeln sein. Das bedeute massive Einschnitte in den Leistungskatalog.

Moderate Vorhaltungen richtete die BGA-Vize-Präsidentin Bruhn-Braas an dem in die Kritik geratenen Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). „Ich habe den Eindruck, dass Glos öffentlich etwas offensiver auftreten könnte“, sagte sie. In der Öffentlichkeit höre man „etwas zu wenig“ von ihm. Kentzler pflichtete ihr bei, sagte aber auch, beim Ausbildungspakt erweise sich Glos als ein verlässlicher Partner.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%