August Oetker
„Die Stärke liegt in der Familie“

Unternehmer August Oetker äußert sich im Interview mit dem Handelblatt über Vor- und Nachteile von Familienfirmen, die Bedeutung des Mittelstandes, die Grenzen der Sparsamkeit, die hohen staatlichen Abgaben und das Glück, nicht an der Börse notiert zu sein.
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DÜSSELDORF.



Handelsblatt: Herr Oetker, mittelständische Firmen bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie berufen sich häufig auf ihre erfolgreiche Historie. Wie können Tradition und Fortschritt am besten in Einklang gebracht werden?

August Oetker: Der Einklang kann gelingen, wenn zum einen die Werte der Vergangenheit erhalten werden, die das Unternehmen erfolgreich gemacht haben. Und wenn zum anderen die Zeichen der Zeit erkannt werden und die Zukunft des Unternehmens im Blick behalten wird. Man sollte es unterlassen, ein Unternehmen zum Museum zu machen oder traditionelle Werte billigem, kurzlebigem Geschmack des Zeitgeistes zu opfern.

HB: Sparsames Wirtschaften war schon immer das Kennzeichen eines gut geführten Familienbetriebs. Reicht dies in der derzeitigen Krise aber aus?

Oetker: Sparsames Wirtschaften sollte zu allen Zeiten ein eiserner Unternehmensgrundsatz sein. Aber in der Krise reicht dies allein natürlich nicht aus. Dann gilt es als Erstes, die eigene Strategie auf ihre Belastbarkeit und ihre Zukunftsfähigkeit zu hinterfragen. Und es muss weiter in die Zukunft investiert werden, in Innovationen, in Bildung und Weiterbildung der Mitarbeiter. Denn deren Qualifikation wird benötigt, wenn die Krise vorüber ist.

HB: Experten sprechen bereits von einer Kreditklemme im Mittelstand, wo soll denn da noch Wachstumskapital herkommen?

Oetker: Die Banken, das sehen wir allenthalben, haben mit der Bewältigung ihrer eigenen Probleme genug zu tun. Nicht zuletzt, weil der Gesetzgeber ihnen auferlegt hat, sich erst einmal selbst zu sanieren. Für viele Mittelständler ist das vorsichtige Verhalten der Banken bei der Kreditvergabe in der Tat ein ernstes Problem, denn ihre Bonität verschlechtert sich umso mehr, je länger die Krise andauert. Eine verschlechterte Bonität aber spiegelt sich in schlechteren Zinskonditionen wider, und es entsteht ein Teufelskreis. Für den Mittelstand wäre es ein Schritt in die richtige Richtung, die Abgabenlast deutlich zu senken. Die steuerliche Gleichbehandlung von Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften wäre da so ein Thema.

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  • Das darf einem deutschen Wirtschaftsführer dann doch nicht unterlaufen (jedenfalls nicht mit 65 Jahren). Die banken hätten genug mit sich selber zu tun. Der Staat überlasse die banken sich selber. bei der steuerlichen Gerechtigkeit kann man geteilter Meinung sein. Es gibt sie eben, mittelständigsche Unternehmen, die außereuropäisch heftigst spekulieren. Dass man sich umgekehrt als Familienunternehmen galanter den Spekulanten dieser Welt entziehen kann, entspricht einer einfachen Logik. Auch ausländische mittelständische Unternehmen spekulieren gerne hierzulande. Möge man also bei Henkel und Merck investieren. Nur los!

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