Aus- und Rückblick
Creditreform erwartet weniger Firmenpleiten

Die Erholung der deutschen Wirtschaft setzt sich nach Auffassung der Wirtschaftsauskunftei Creditrefom im laufenden Jahr fort. Demnach soll es weniger Insolvenzen geben. Entwarnung könne jedoch nicht gegeben werden, betonte Creditreform am Dienstag.

HB DÜSSELDORF. „Die Binnenkonjunktur zieht an, grundsätzlich aber ist die Situation noch instabil,“ sagte Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Rödl. Die Binnenkonjunktur sei immer noch schwach, auch wenn die Erwartungen deutlich besser seien als vor einem Jahr. Vor allem bei kleinen Unternehmen sei die Finanzlage unverändert schwach. „Und die Exportkonjunktur geht an den kleinen Firmen meist ganz vorüber,“ schränkte Rödl ein. Positive Stimmung allein könne keine Insolvenzen abwenden. „Die große Frage ist, ob die Unternehmen diese Stimmungsverbesserung angesichts ihrer schwachen Finanzlage auch nutzen können.“

Alles in allem rechnet Creditreform derzeit für 2006 mit 36 000 bis 38 000 Unternehmensinsolvenzen. 2005 hatte es nach Berechnungen der Auskunftei 37 900 Firmenpleiten in Deutschland gegeben, 3,5 Prozent weniger als 2004. Bei den privaten Verbraucherinsolvenzen hingegen erwartet Creditreform einen weiteren Anstieg auf 105 000 bis 110 000, so dass die Gesamtzahl aller Insolvenzen in Deutschland zwischen 141 000 und 148 000 liegen werde. Im November hatte Creditreform noch mit bis zu 150 000 Gesamtinsolvenzen gerechnet.

Anders als in den Vorjahren verzeichnete Westdeutschland 2005 einen Rückgang der Firmenpleiten um 4,6 Prozent auf 28 700 Fälle. In Ostdeutschland hingegen stieg die Pleitenzahl nach zwei besseren Jahren wieder leicht um 0,1 Prozent auf 9 200. Den gesamten wirtschaftlichen Schaden durch insolvente Firmen bezifferte Rödl für 2005 auf 37,5 Mrd. Euro, das waren 1,9 Mrd. weniger als 2004. Auch die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer sank um fast 7 Prozent auf 563 000.

„Wir haben eine erheblich bessere Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe und sogar in der traditionell besonders insolvenzgefährdeten Baubranche erstmals seit 10 Jahren einen leichten Rückgang bei der Insolvenzquote“, erläuterte Rödl. Allerdings steuerte die Baubranche mit 75 000 Pleiten immer noch einen überdurchschnittlich hohen Anteil bei. Belastend für die Entwicklung habe sich die Zunahme der Insolvenzquote im Einzelhandel um 4,5 Prozent niedergeschlagen. Generell sind Pleiten in der Dienstleistungsbranche und bei kleineren Firmen weit häufiger als bei großen Industrieunternehmen.

In allen westeuropäischen Ländern erwartet die Auskunftei ein geringfügiges Absinken der Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr auf 145 000 Fälle. 2005 hatte es 147 000 Firmenpleiten gegeben, ursprünglich erwartet hatte Creditreform sogar 160 000 Fälle. Die privaten Insolvenzen dürften in Westeuropa auf 200 000 steigen nach 180 000 im Vorjahr. Sehr positiv sei die Entwicklung in Japan gewesen, wo die Zahl der Firmenpleiten um 28 Prozent zurückgegangen sei. Sorge bereiten Creditreform allerdings die USA, wo im Oktober das Insolvenzrecht deutlich verschärft wurde. 2005 sei dort die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 2,1 Prozent gestiegen. Die jüngsten Großpleiten von Delta Airlines, Northwest Airlines und Delphi zeigten, wie bedrohlich die Lage der US-Luftfahrt- und Autobranche sei.

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