Ausblick auf 2006: Die Banken versprechen Kredite

Ausblick auf 2006
Die Banken versprechen Kredite

Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland werden auch bei einem stärkeren Konjunkturaufschwung in diesem Jahr ausreichend mit Krediten versorgt. Dafür müssen sie aber im Gegenzug bereit sein, ihren Geldgebern umfassenden Einblick in die Geschäftspläne zu gewähren.

FRANKFURT. Dies war der Tenor einer Veranstaltung der „Wirtschaftsinitiative Frankfurt Rhein-Main“, auf der Vorstände aller drei Säulen der Kreditwirtschaft - also von Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen - einen Ausblick auf 2006 gaben. Einig waren sich alle Teilnehmer in der Einschätzung, dass der Bankkredit zwar die wichtigste externe Finanzierungsquelle bleibt, gleichzeitig aber Alternativen an Bedeutung gewinnen. „Das Bild ändert sich langsam und allmählich“, sagte Martin Blessing, bei der Commerzbank zuständiges Vorstandsmitglied für das Mittelstandsgeschäft. Durch sinkende Losgrößen kämen neue Instrumente immer mehr in die Reichweite kleinerer und mittlerer Firmenkunden. „Früher wurden beispielsweise Schuldscheindarlehen erst ab rund 20 Mill. Euro angeboten, heute geht das schon ab 500 000 Euro“, erklärte Blessing. Möglich werde dies durch die Bündelung und Platzierung der Forderungen am Kapitalmarkt.

Entscheidend werde in Zukunft eine stetige Beratung der Unternehmer durch die Firmenkundenbetreuer sein, da die Produkte selbst immer ähnlicher würden, sagte der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, Hans-Joachim Tonnelier. Hier sieht er Vorteile für den genossenschaftlichen Verbund, weil die Berater „nicht alle sechs Monate an einen anderen Ort versetzt werden“, ergänzte Tonnelier mit Blick auf die privaten Großbanken. Wichtig sei ein offener Umgang miteinander, dazu gehöre auch das klare Nein-Sagen. Die Ablehnung eines Kreditantrags habe „manchen Mittelständler vor Schlimmerem bewahrt“.

Für die Frankfurter Sparkasse, die als Tochter der öffentlich-rechtlichen Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) geführt wird, sagte deren Vorstand Herbert Pfennig, man verstehe sich nicht als „Rosinenpickmaschine“. Die Sparkasse nehme auch Geschäfte, die statt einer Rendite von 15 Prozent nur acht Prozent brächten. Gleichzeitig machte Pfennig auch deutlich, dass der persönliche Kontakt extrem wichtig bleibe. Das könne man auch an den vielen Kreditanfragen per E-Mail oder per Post sehen, da hier die Ablehnungsquote „enorm hoch“ sei, sagte Pfennig. Blessing und Tonnelier warnten auch davor, die Bedeutung der Bilanzen für die Kreditvergabe überzubewerten. In kleineren Firmen tendierten die Eigentümer zu Privatentnahmen, deshalb zeigten die Bilanzen hier oft nicht die ganze Wahrheit.

Generell könnten Mezzanine-Produkte zwischen Eigen- und Fremdkapital oder auch Beteiligungskapital helfen, die Eigenkapitaldecke der Mittelständler zu stärken. Aber hier gebe es auch noch viele Vorbehalte unter den Unternehmern. „Der Mittelstand akzeptiert nur ungern Kapitalbeteiligungen, weil er das Steuer in der Hand halten will“, hat Tonnelier beobachtet. Auch schon bewährte Alternativen zeigten nicht nur Vorteile. So sei der Forderungsverkauf (Factoring) weitgehend auf den Handelsbereich beschränkt und sehr teuer.

Alle drei Institutsgruppen zeigten die Bereitschaft, den Aufschwung nicht am Kapitalmangel scheitern zu lassen.

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