Auslagerung von Pensionsverpflichtungen: Allianz hat den Mittelstand im Visier

Auslagerung von Pensionsverpflichtungen
Allianz hat den Mittelstand im Visier

Nach Dax-Unternehmen wie etwa Siemens, RWE oder Daimler gliedern auch immer mehr nicht-börsennotierte Mittelstandsunternehmen ihre Pensionsverpflichtungen aus der Bilanz aus, um Vorsorgerisiken loszuwerden. Ein Beratungsteam der Allianz hat sich genau darauf spezialisiert.

STUTTGART. „Das ist ein Trend, von dem wir leben. Aber wir tun auch viel dafür, indem wir gezielt rausgehen und die Unternehmen für das Thema sensibilisieren“, sagt Norbert Senghas, Geschäftsführer, der APC Allianz Pension Consult. Ein vergleichsweise kleines Team von fünfundzwanzig Experten schneidert passgenaue individuelle Lösungen zur Auslagerung von Pensionsverpflichtungen für 15 bis 20 Unternehmen pro Jahr - Tendenz steigend. Für Senghas steht das Geschäft noch am Anfang.

Denn für Unternehmen, die heute noch nach HGB bilanzieren, könnte bald extremer Handlungsbedarf bestehen. Der APC-Chef verweist dabei auf die neuen Reformpläne des Bundesjustizministeriums zum Bilanzrechts, die im Wesentlichen vorsehen, Pensionsrückstellungen realitätsnäher zu bewerten. Für das Justizministerium lässt sich „gerade bei Pensionsrückstellungen heute in der handelsrechtlichen Rechnungslegung die wahre Belastung der Unternehmen nicht ablesen, weil die bisherigen Wertansätze nach übereinstimmender Einschätzung zu niedrig seien“, heißt es in einer Veröffentlichung. Bei der Bewertung der Rückstellungen sollen künftige Erwartungen stärker berücksichtigt werden. Das bedeutet Abzinsung mit marktgerechten Zinssätzen sowie Dynamisierung der zu bewertenden Verpflichtung. Das dürfte nach Einschätzung von Wirtschaftsprüfern in den meisten Fällen zu einer Erhöhung der Verbindlichkeiten führen und die Gewinne drücken.

Der Optikspezialist Carl Zeiss hat mit Hilfe des Beratungsteams seine Pensionsverpflichtungen bereits ausgegliedert. In den vergangenen beiden Jahren hat der Technologiekonzern aus dem schwäbischen Oberkochen 305 Mill. Euro in einen unabhängigen Treuhandverein eingebracht. Eine Mischform, bei der der Vermögensverwalter vom Unternehmen eingesetzt wird, die eingezahlten Mittel aber dem Betrieb nicht mehr für andere Zwecke als Pensionszahlungen zur Verfügung stehen. Die Methode ist in angelsächsischen Ländern Standard und auch gut für die Bilanzoptik: Die Gegenrechnung von Verpflichtungen und angesammeltem Vermögen wirkt bilanzverkürzend. Die Eigenkapitalquote wird damit höher. Die Risiken verbleiben allerdings beim Unternehmen. Wenn die so zweckgebundenen Mittel nicht zur Erfüllung der Verpflichtungen ausreichen, müssen diese nachgeschossen werden.

„Wir sind sehr froh, dass wir uns dafür entschieden haben“, sagt Zeiss-Finanzchef Michael Kaschke. Das Unternehmen mit zuletzt 2,7 Mrd. Euro Umsatz holte sich von fünf Anbietern Angebote ein, um ein Modell für die Ausgliederung der Pensionsansprüche seiner über 12 000 Beschäftigten zu entwickeln.

Die Allianz-Tochter greift auf die Expertise von Allianz Global Investors, Allianz Leben und der Dresdner Bank und bei Bedarf aber auch weiterer Konzerngesellschaften zurück. Je nach Wunsch des Unternehmens muss es nicht gleich die Auslagerung der Pensionsverpflichtungen in Trusts ein. Allianz bietet auch konventionelle Rückdeckungsversicherungen an. Dabei übernimmt der Versicherer gegen Zahlung einer festen Summe komplett die Pensionszahlungen einer bestimmten Personengruppe. Das Unternehmen ist bei dieser Lösung alle Risiken los, muss aber vergleichsweise hohe Prämien bezahlen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%