Auslandsgeschäft
Lateinamerika dreht auf

Lateinamerika taucht wieder auf dem Radar der deutschen Wirtschaft auf. Ob Medizintechnik in Mexiko oder Informationstechnologie in Brasilien, in jedem Land finden Unternehmen gute Geschäftsmöglichkeiten. Ein wichtiges Plus ist die traditionelle Verbundenheit zu Europa. Wer Erfolg haben will, muss jedoch auf einige Besonderheiten der Region vorbereitet sein.

Lateinamerikas Verheißungen faszinieren Europäer schon lange. Bereits vor 500 Jahren lockte die Aussicht auf Reichtum Pioniere in die Neue Welt. Zwar ist es heute nicht mehr El Dorado, die sagenumwobene Goldstadt, die Unternehmer zu Expeditionen über den Atlantik veranlasst, dennoch sind die Möglichkeiten zu einträglichen Geschäften nach wie vor viel versprechend. Internationale Investoren sind in den meisten Ländern sehr willkommen, was sich durch den politischen Linkstrend der letzten Zeit auch nicht grundsätzlich zu ändern scheint. Momentan stellt sich die Lage in den Ländern so gut dar wie lange nicht mehr und verspricht für die nächsten Jahre Wachstum und Stabilität.

Besonders die Mercosur-Länder und Chile inspirieren den Entwicklungsprozess. Mit einigen wenigen Ausnahmen betrachten die meisten politischen Entscheidungsträger ausländische Investoren als Partner, die für die Wohlfahrt ihres Landes unverzichtbar sind, und öffnen ihre Märkte. Bestes Beispiel dafür, dass auch linksgerichtete Regierungen einen sehr wirtschaftsfreundlichen Kurs steuern können, sind Chile und Brasilien. Arbeitslosigkeit und Armut sinken bei zunehmender Kaufkraft. Nach dem Human Development Index der Uno verfügen Länder wie Argentinien und Chile über einen höheren Lebensstandard als manches EU-Mitglied, während Lateinamerika insgesamt zwischen hohem und mittlerem Niveau rangiert. Die Bevölkerung ist im Durchschnitt noch jünger als die asiatische. Ein Problem besteht in der ungleichen Einkommensverteilung.

»  Infografik: EU-Handel mit Südamerika

Besonders interessant für deutsche Unternehmen wird die Region durch ihre enorme Nachfrage nach Kapitalgütern. Nirgendwo ist der Ruf deutscher Spitzentechnologie so unverwüstlich wie in Lateinamerika, dessen Importe zu circa 80 Prozent aus Industriegütern und zu fast der Hälfte aus Maschinen und Fahrzeugen bestehen. Dennoch ist das deutsche Engagement bislang gering. Zwar stieg der Export in die Region 2005 stärker als die Gesamtausfuhr, liegt aber noch weit unter den Möglichkeiten. Auch bei den Investitionen tun sich vorrangig Firmen aus den USA und Spanien hervor und fahren satte Gewinne ein. Für deutsche Unternehmen wird es definitiv Zeit, Lateinamerika wieder zu entdecken.

Mexiko eignet als Sprungbrett auf den US-Markt

Im Globalisierungswettbewerb setzt Mexiko auf den logistischen Vorteil der Nähe zum US-Markt und spezialisiert sich auf die Just-in-time-Produktion von zeitkritischen Gütern. Johannes Hauser, Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer, hält sein Gastland nicht zuletzt wegen des Nafta-Freihandelsabkommens für einen „hochinteressanten Fertigungsstandort für den privilegierten Marktzutritt in Nordamerika“. Um den Wertschöpfungsgrad der Produktion zu erhöhen, fördert die Regierung die vertikale Integration über die Ansiedlung von Industrieparks und Forschungszentren.

Ein weiteres Plus verbucht Mexiko bei der Sicherheit der Investitionen, was laut der Beratungsfirma Global Insight schon mindestens 20 ehemals in die VR China abgewanderte Unternehmen zur Rückkehr nach Mexiko bewogen hat. Als Wachstumsbranchen bewerten Marktbeobachter den Infrastrukturbereich, den Kfz- und Elektroniksektor, die Medizintechnik, Bio- und Nanotechnologie, Mechatronik, Software sowie die Luft- und Raumfahrt. Aber auch der Tourismus und Dienstleistungen im Logistik- und IT-Sektor erscheinen lukrativ. Durch seine große Aufnahmefähigkeit für Importe und das Freihandelsabkommen mit der EU bleibt Deutschlands Hauptabsatzmarkt der Region auch als Exportziel äußerst attraktiv.

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