Auslandsgeschäft
Schwellenländer schwören auf German Engineering

Die Bric-Staaten kurbeln durch lukrative Aufträge das Geschäft der deutschen Hersteller von Investitionsgütern an. Heiß begehrt sind technisch hochwertige Produkte. Vor allem China bietet noch großes Potenzial.
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KÖLN. Für Firmenchef Hans Fechner ist der Aufstieg der Schwellenländer zu Wirtschaftsmächten keine Bedrohung. Im Gegenteil: Sein Maschinenbauunternehmen profitiert dank lukrativer Aufträge. Die Produkte von Siempelkamp sind weltweit gefragt, wenn neue Bürogebäude oder Fabriken entstehen. Die Krefelder stellen Geräte für die Metallumformung sowie Holzwerkstoffanlagen her, die beispielsweise im Hausbau oder bei der Massenproduktion von Möbeln zum Einsatz kommen.

Die Exportquote von Siempelkamp liegt bei 90 Prozent, davon gehen rund 80 Prozent in Länder außerhalb der Europäischen Union. Den Hauptteil davon kaufen Unternehmen in den sogenannten Bric-Staaten ein: In Brasilien, Russland, Indien und China erzielt Siempelkamp bereits die Hälfte des Umsatzes. Dank des boomenden Auslandsgeschäfts braucht sich Fechner keine Sorgen um die Zukunft zu machen: „Die Auslastung ist bis weit in das Jahr 2012 gesichert.“

Weltweite Aufbruchstimmung

Ob Maschinen, Autos oder Konsumartikel – nach dem Ende der jüngsten Krise zieht der Welthandel wieder an. Vergangenes Jahr war das Volumen noch um 12,2 Prozent eingebrochen, doch nun geht es rasant in die andere Richtung: Die Welthandelsorganisation WTO erwartet im laufenden Jahr ein Wachstum von 13,5 Prozent – mehr als jemals zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950.

Marktbeobachter sprechen von einer regelrechten Aufbruchstimmung, die derzeit bei deutschen Exporteuren herrscht. „Was jetzt ansteht, ist die Suche nach neuen Geschäftsfeldern“, erläutert Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater. Generell geraten dabei aufstrebende Schwellenländer in den Fokus: „Noch stärker als zuvor investieren deutsche Firmen in den Bric-Staaten.“

Allen voran China gilt die Aufmerksamkeit der Unternehmen: Mit einem Umsatzvolumen von fast 60 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2010 ist das Reich der Mitte inzwischen zum drittgrößten Handelspartner Deutschlands aufgestiegen, gleich nach den Nachbarn Frankreich und Holland. Bei den Einfuhren steht das Land sogar an der Spitze der Rangliste. Als Absatzmarkt hingegen hinkt China hinterher – die größten Abnehmer deutscher Produkte bleiben neben den Vereinigten Staaten Länder innerhalb der Europäischen Union.

Deutschland exportiert sogar mehr nach Österreich als nach China. Brasilien und Indien liegen noch hinter Dänemark und der Slowakei. „Man darf Dynamik nicht mit Niveau verwechseln“, sagt Tobias Just, Leiter der Branchen- und Immobilienmarktanalyse bei Deutsche Bank Research. Das Potenzial der Bric-Staaten freilich ist enorm: „Der Handel mit den europäischen Staaten ist bereits etabliert, während der Austausch mit Ländern wie China Jahr für Jahr zweistellige Wachstumsraten aufweist.“

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