Außenwirtschaft
Kaukasus-Krieg lässt Investoren kalt

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland ist zwar politisch verhärtet - wirtschaftlich jedoch floriert es trotz Kaukasus-Krieg bestens. Das Riesenreich hat keine Abkehr von Metro, Opel, Siemens und Co. zu befürchten. Und auch deutsche Fondsgesellschaften sehen wenig Anlass zu Veränderungen ihrer Anlagepolitik.



ax/cs/cü/fwi/hz/ina/mha DÜSSELDORF. Unternehmen und Finanzexperten fürchten keine langfristigen Schäden für Russlands Wirtschaft durch die Krise nach dem Krieg im Kaukasus.

Moskauer Analysten betrachten die derzeit sinkenden Währungsreserven und den Abfluss ausländischen Kapitals nur als kurzfristige Sache. "Die Rückkehr des Auslandskapitals ist eine Frage von wenigen Monaten", meint Alexander Iwlew, Partner bei Ernst & Young in Moskau. Wenn sich die Lage in dem Konflikt entspanne, würde das Investitionsvolumen schnell wieder zunehmen: "Russland ist ein ganz normaler Markt, und die Investoren fühlen sich wohl hier."



Die Moskauer Zentralbank hatte gemeldet, dass innerhalb einer Woche so viel Kapital aus Russland abgezogen worden ist wie seit Jahren nicht mehr. Russlands Gold- und Währungsreserven reduzierten sich deshalb um 16,4 auf 581,1 Mrd. Dollar. Im Juli waren allein noch 19 Mrd. Dollar an Kapital nach Russland geströmt. Auf das gesamte erste Halbjahr gesehen sind die ausländischen Direktinvestitionen laut Statistikbehörde Rosstat um rund 30 Prozent auf elf Mrd. Dollar gesunken. Das russische Wirtschaftsministerium hatte zudem mitgeteilt, dass es mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr auf nur noch 7,5 Prozent rechne. Damit werde die Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Gesamtjahr bei 7,8 Prozent liegen.

Entsprechend angespannt blickt Premierminister Wladimir Putin auf die langfristigen wirtschaftlichen Folgen des Georgien-Konflikts. Nach Informationen der russischen Wirtschaftszeitung "Kommersant" warnte er auf einer Kabinettssitzung, man müsse in der Folge des Kriegs "für jede Entwicklung bereit sein, einschließlich für negative".

Von den deutschen Unternehmen hat Russland jedoch keine Abkehr zu befürchten. "Russland bleibt ein wichtiger Markt für uns", betont ein Sprecher von Siemens. Der Umsatz des Konzerns dort stieg im vergangenen Geschäftsjahr um ein Viertel auf knapp eine Mrd. Euro. Einen Auftragsschub verspricht sich Siemens zudem von den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi.

Auch bei Metro heißt es: "Ein Expansionsstopp in Russland steht bei uns nicht zur Diskussion." Den Krieg in Georgien habe man zwar mit Sorge betrachtet, auf die Unternehmenspolitik habe dies aber keine Auswirkungen. Der Düsseldorfer Handelskonzern betreibt zahlreiche Märkte im russischen Lebensmittelhandel und belegt mit einem Umsatz von 3,6 Mrd. Dollar inzwischen Platz drei in der Branche.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) liebäugelt ungeachtet der Georgien-Krise gar mit einer neuen Fabrik in Russland. Es gebe dazu zwar noch keine Entscheidung. "Aber angesichts der Absatzsteigerungen auf dem russischen Markt steht das Thema Kapazitätserweiterung bereits auf der Tagesordnung", sagt GM-Europachef Carl-Peter Forster dem Handelsblatt. GM unterhält bislang drei Werke in Russland.

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