Auszeit für den Nachwuchs: Wenn die Familie einfach mal vorgeht

Auszeit für den Nachwuchs
Wenn die Familie einfach mal vorgeht

Mehr als Dreiviertel der Eltern würden für mehr Familienfreundlichkeit den Job wechseln. Jeder Vierte hat dies schon getan. Viele Firmen verlieren so Know-how. Ein Mittel um den Verlust guter Fachkräfte einzuschränken wären flexiblere Arbeitszeiten.
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DÜSSELDORF. Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin momentan in Elternzeit und erst Ende Oktober wieder erreichbar.“ Die selbstbewusste Abwesenheitsnotiz eines Bosch-Managers ist heute keine Seltenheit mehr. Mehr als jeder dritte der rund 1 000 frisch gebackenen Väter bei Bosch pausierte 2009 im Beruf. Bundesweit tut dies heute immerhin jeder fünfte Vater. Vor der Reform des Elterngeldes 2007 sah das noch anders aus: Nur 3,5 Prozent der Väter wagten eine berufliche Auszeit.

Helmut Schneider, Direktor des Forschungszentrums für familienbewusste Personalpolitik an der Steinbeis-Hochschule Berlin, beobachtet ein stark verändertes Rollenverständnis vom „neuen Vater“: Für den ist Familie mindestens genauso wichtig wie die Karriere – wenn nicht noch wichtiger.

Die Folge: Firmen müssen umdenken. „Diente früher ein 3er-BMW oder ein schickes Diensthandy als Lockmittel für begehrte Talente, so ist es heute immer mehr die Familienfreundlichkeit“, betont der Marketing-Professor.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist den Beschäftigten – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – wichtiger als Unternehmen denken. Das belegt eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Sie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Befragt wurden 300 Personalentscheider und mehr als 3 000 Beschäftigte zwischen 25 und 49 Jahren.

Ein Fazit: Mehr als Dreiviertel der Eltern zwischen 25 und 39 Jahren würden für mehr Familienfreundlichkeit ihren Job wechseln. Über ein Viertel der Befragten hat dies bereits getan. Den anderen mangelt es offensichtlich nur an Alternativen.

„Firmen, die keine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen, schaden nur sich selbst“, warnt Schneider. „Mitarbeiter fehlen länger oder können nicht den vollen Einsatz bringen.“ Letztlich bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Firma zu verlassen – Wissen geht verloren. Familienfreundlichkeit zahlt sich für Firmen ökonomisch aus, das konnte Schneider in einer Studie bereits belegen.

Tatsache ist, dass die Gesellschaft altert und qualifizierte Mitarbeiter immer knapper werden. Umso stärker können familienbewusste Arbeitgeber punkten. Denn selbst 70 Prozent der kinderlosen Beschäftigten achten bei der Jobwahl auf Familienfreundlichkeit: Sie ist ihnen genauso wichtig oder sogar wichtiger als das Gehalt.

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  • Umdenken, umdenken, umdenken! Das gilt vor allem für die Gesellschaft und die Unternehmen. Der zentrale Schlüssel ist wohl kaum nur in der flexiblen Arbeitszeit zu finden. Gestern war Weltkindertag... Sind Deutschlands Kinder wirklich willkommen? Erst wenn wir (Gesellschaft und Unternehmen) behaupten können, dass Kinder willkommen sind steht die Voraussetzung für ein familienbewusstes Miteinander. Unternehmen werden in Zukunft mit einer ehrlich gelebten familienfreundlichen Haltung und bereits kleinsten Maßnahmen Erfolge (auch betriebswirtschaftliche) erfahren aber auch der Problematik des demographisch bedingten Fachkräftemangels entgegenwirken können.

  • ich bin Maschinenbediener mit Abitur und Mechatroniker-ausbildung. Arbeite in einem eigentlich 3-Schichtbetrieb. Seit Jahren wird aber in 4 Schichten gearbeitet, d.h über Wochenenden hinweg.
    Meine Frau arbeitet notgedrungen im Gastronomiebereich also auch ständig am Wochenende!
    Das da immer wieder Probleme mit der Kinderbetreuung entstehen, dürfte ja wohl jeder verstehen, oder??!!!!
    Alternativen?? Versuchen Sie mal welche zu finden - hier im Osten.
    Ohne Großeltern wäre es gar nicht machbar, aber stellt man sich SO das Familienleben vor??? Man verpasst sehr viel mit den Kleinen! Das ist auch das, was mich so wütend macht!!!

  • Klar die Stammbelegschaften und iG metall geschützt werden gehegt und gepflegt. Ob daimler , bosch oder siemens. Denen geht es super gut. ist das was Neues? Daher können diese hochbezahlten und hochgeförderten Leute es ja auch garnicht verstehen, dass die bei anderen Leuten nicht der Fall ist. bei mir klappt das also wenn es bei den anderen nicht geht: Selber schuld, das liegt doch dann an denen.

    Und @ben, ich kenne diese Fälle, Frauen mit kleinen Kindern bekommen die schlechtesten Arbeitspläne, in diesme Fall eine Erzeiherin ist mir bekannt, und werden doppelt und dreifach belastet.

    und wenn sie in allen diesen Fällen was sagen heißt es dann: Sie würden rumjammern.

    Ein Teil der bevölkerung ist hochgefördert und wird als Elite bezeichnet und kann es überhaupt nicht verstehen dass dies beim Rest der bevölkerung nicht der Fall ist. Das die leute in Leiharbeit ihr Geld nicht richtig ausbezahlt bekommen, zahlreichen Mobbingattacken ausgesetzt sind, keine vorschriftspflichtige Weiterbildung erhalten, undsoweiterundsofort. Dann heißt es auch von boschmitarbeitern: Ja die Leiharbeiter hatten wir auch mal im Programm.

    So hält man die Leute und die Schichtentrennung sauber geplant und getrennt voneinander.

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