Automobilzulieferer
Technologievorsprung in China überlebensnotwendig

China ist der am dynamischsten wachsende Automobilmarkt weltweit und wird 2006 Japan als zweitgrößtes Absatzland der Branche ablösen. Um am Wachstum teilzuhaben, ist die Präsenz deutscher Zulieferer mit Produktion vor Ort unabdingbar. Doch die Chinesen holen auf: Da bei der Auftragsvergabe in erster Linie der Preis entscheidet, kann zunehmend die günstigere einheimische Konkurrenz punkten.

SHANGHAI. Fast alle namhaften Automobilzulieferer aus Europa, den USA, Japan und Korea (Rep.) sind in der VR China mit eigener Produktion aktiv. Die meisten sind - nicht immer freiwillig - ihren traditionellen Kunden "von zu Hause" ins Reich der Mitte gefolgt. Für die deutschen übernahm in den 80er Jahren der Volkswagen-Konzern die Zugpferdfunktion.

Die Autobauer sahen (und sehen) sich infolge vertraglicher oder gesetzlicher Verpflichtungen, aber auch aus Kostengründen, gezwungen, immer mehr Komponenten vor Ort zu beziehen. Mussten in den ersten Jahren noch über die Hälfte der erforderlichen Inputs aus dem Ausland zugekauft werden, erreicht die Lokalisierungsrate mittlerweile 70 bis 80% (inklusive Zulieferungen durch ausländisch-investierte Unternehmen).

Ferner geht es manchem Branchenvertreter darum, durch Präsenz die einheimischen Wettbewerber im Blick zu behalten und ihnen nicht das Feld zu überlassen. Dahinter steht die berechtigte Befürchtung, dass die lokale Konkurrenz bald auch in die US-amerikanischen und europäischen Stammmärkte eindringen könnte.

Darüber hinaus spielen mögliche Exporte eine Rolle. Grundsätzlich sind die Unternehmen aber nicht in der Volksrepublik, weil sich dort besonders preiswert fertigen ließe. Denn das ist je nach Produkt und Qualitätsniveau häufig nicht der Fall. Handelt es sich, wie vielfach in der Automobilindustrie, um stark automatisierte Herstellungsprozesse, dann schlagen die niedrigen Personalkosten für un- oder gering-qualifizierte Arbeitskräfte kaum zu Buche. Umgekehrt treiben hohe Kosten für gute Ingenieure, Manager und Expatriates in Leitungspositionen die Ausgaben in die Höhe.

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Zwar müssen sich Autobauer und -zulieferer an den klassischen Automobilstandorten wie Shanghai, den benachbarten Provinzen Jiangsu und Zhejiang, Beijing, Changchun oder Wuhan über die prinzipielle Verfügbarkeit von geeignetem Personal wenig Sorgen machen. Auch lassen sich angesichts der hohen Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit, angefangen beim Facharbeiter bis hin zum Universitätsabsolventen, Ausbildungsdefizite schnell ausgleichen. Nach den Erfahrungen deutscher Expats unterscheiden sich die einheimischen Kräfte dann kaum noch von deutschen Arbeitnehmern, es sei allenfalls ein stärkeres "Nachhaken" immer wieder erforderlich.

Doch in Zentren wie Shanghai, Wuxi oder Suzhou sind die Arbeitsmärkte für die besonders begehrten Kräften wie leergefegt. Um ihre Belegschaft zu halten, müssen die Unternehmen in Shanghai Steigerungen der Personalkosten von rund 12% p.a. einkalkulieren. Das Hinterland ist dabei nur sehr bedingt eine Alternative. Dort sind zwar Grundstücke, Immobilien und auch Arbeitskräfte preiswerter, allerdings sind letztere schwer zu finden, sobald ein gewisses Qualifikationsniveau gefordert ist.

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