Autoversicherer
Westfälischer Wachwechsel

Machtwechsel beim Landwirtschaftlichen Versicherungsverein Münster (LVM): Nach 15 Jahren gibt Gerd Kettler den Chefsessel des LVM ab, sein Nachfolger Robert Baresel setzt auf Kontinuität. Deutschlands führender Autoversicherer will seine Abhängigkeit von der Autobranche weiter reduzieren – und stemmt sich gegen den Auslagerungstrend der Konkurrenz.

MÜNSTER. Der Gegensatz könnte kaum größer sein: Der bodenständige, grauhaarige Westfale und sein Büro im modernen, lichtdurchfluteten Glaspalast des Landwirtschaftlichen Versicherungsvereins Münster (LVM), des drittgrößten Autoversicherers Deutschlands. Nur Gerd Kettlers Schreibtisch mit Rund-um-Blick auf Münster ist antik – das Möbelstück passt schon eher zu jemandem, der seit einem Viertel Jahrhundert im Vorstandssessel des LVM sitzt, davon die letzten 15 Jahre als Chef. An Silvester ist Kettlers letzter Arbeitstag, heute ist die interne Abschiedsfeier. Kettler hinterlässt einen LVM, in dem sich – ähnlich wie in seinem Büro – Tradition und Moderne ergänzen, wobei Tradition ihr eigenes Gewicht hat.

Das fängt schon bei der Wahl des Nachfolgers an und der Art, wie der Stabwechsel eingefädelt wurde. Der künftige Chef Robert Baresel hat ähnlich wie Kettler Betriebswirtschaft studiert und früh Erfahrungen mit der Vermittlung von Policen gesammelt. Beide waren auch mal beim Marktführer Allianz. Beide stehen für Kontinuität. Kennen gelernt haben sie sich 1988 in Münster, als Baresel dort bei der R+V-Versicherung tätig war. Der Neue war bis März im Vorstand der Versicherungskammer Bayern und Chef der öffentlichen Krankenversicherer.

„Ich freue mich, fortzuführen, was mein Vorgänger aufgebaut hat“, sagt Baresel im gemeinsamen Gespräch mit dem Handelsblatt. Für Kettler ist es das erste Gespräch überhaupt, das er je mit einer Zeitung geführt hat. Der LVM hat Gewicht. Die 1896 gegründete Haftpflichtkasse für Bauern hat sich zu einem heute führenden Autoversicherer Deutschlands entwickelt. Und dies obwohl Kettler die starke Abhängigkeit von der heiß umkämpften Auto-Sparte stetig verringert hat. Von den 2,3 Mrd. Euro Beitragseinnahmen entfallen heute noch 38 Prozent auf die Autoversicherung. Zu Kettlers Start lag der Anteil bei 75 Prozent. Durch die Ausdehnung des Geschäfts auf alle anderen Versicherungssparten und Finanzdienstleistungen hat Kettler die Dominanz verringert, ohne die führende Position unter den Autoversicherern zu gefährden. Sein Nachfolger will den Balanceakt fortführen: „Einen Marktanteil in Kfz von vier Prozent wollen wir mindestens halten“, versichert der Neue.

Der LVM ist langsam gewachsen. Erst seit 1969 tritt er bundesweit auf. Bis dahin beschränkte er sich auf das Geschäftsgebiet des Westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbandes. Auch unter Kettler ist die LVM-Welt nicht global geworden, aber sie ist heil geblieben.

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