Autozulieferer zeigt Interesse an Continental
Schaeffler: Stiller Riese aus der Provinz

Nicht die Sportartikelunternehmen von Weltrang, Adidas und Puma, sind die größten Arbeitgeber des 24 000-Einwohner-Städtchens Herzogenaurach, sondern die auf Wälzlager spezialisierte Schaeffler Gruppe. Der stille Riese aus der fränkischen Provinz sorgt jetzt mit seinem Interesse am Dax-Konzern Continental für Schlagzeilen. Es ist das zweite Mal, dass Schaeffler ins Rampenlicht rückt.

DÜSSELDORF. Erstmals ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelangte Schaeffler 2001 mit dem Versuch, den börsennotierten Wälzlagerriesen FAG Kugelfischer - anfangs feindlich - zu übernehmen. Die beiden Unternehmen lieferten sich damals via Anzeigenkampagnen einen Aufsehen erregenden Schlagabtausch. Letztlich setzte Schaeffler sich durch und schloss die Übernahme 2002 ab. In der Folge nahm Schaeffler die Schweinfurter FAG von der Börse und es entstand der zweitgrößte Wälzlagerhersteller der Welt.

Schaeffler wurde 1946 von den Brüdern Georg und Wilhelm Schaeffler gegründet. Alleingesellschafter des Familienunternehmens mit seinen weltweit 180 Standorten sind heute Georgs Witwe Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg Schaeffler. Er arbeitet als Anwalt im US-amerikanischen Dallas. Dem Magazin "Forbes" zufolge steht die Familie mit einem Vermögen von 8,7 Milliarden Dollar an 78. Stelle in der Liste der weltweit reichsten Menschen.

Vorsitzender der Schaeffler-Geschäftsführung ist seit 1998 der Schwabe Jürgen Geißinger. Bei seinem Amtsantritt war der 1959 geborene Maschinenbau-Ingenieur noch keine 40 Jahre alt. Er lieferte sich in den vergangenen Jahren mehr als einmal Scharmützel mit der IG Metall wegen Kostensenkungsprogrammen und Einschnitten für die Belegschaften. "Der frühere familiäre Charakter des Unternehmens ist Stück für Stück verschwunden", sagt der Erlanger IG Metall-Chef Wolfgang Niclas, der Schaeffler seit vielen Jahren kennt. Mit harten Bandagen würden Maßnahmen wie etwa Arbeitszeitverlängerung durchgedrückt.

Neben FAG sind LuK und INA Marken der Gruppe. Die Wälzlager von FAG kommen in Industrie und Automobiltechnik zum Einsatz, die Hochgenauigkeitslager in Werkzeugmaschinen und Textilindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt, zum Beispiel im US-Space Shuttle und in der Europa-Rakete Ariane. Kupplungen von LuK stecken in jedem vierten Auto weltweit. Das Unternehmen LuK (Lamellen- und Kupplungsbau) aus Bühl/Baden wurde 1999 von Schaeffler übernommen. Lager von INA werden im Maschinenbau sowie für Motorenelemente im Automobilbau verwendet.

Schaeffler macht insgesamt rund 60 Prozent seines Geschäfts mit der Autoindustrie, der Rest verteilt sich auf andere Branchen wie Luft- und Raumfahrt. Die Franken zählen zu den 50 größten nicht börsennotierten Unternehmen Europas und erwirtschafteten im vergangenen Jahr mit rund 66 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 8,9 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Conti erzielte 2007 mit knapp 152 000 Beschäftigten einen Umsatz von 16,6 Mrd. Euro. Mit VDO wären es 26,4 Mrd. Euro gewesen.

Mitarbeit: Mark C. Schneider

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter
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