B-Player
Die B-Mitarbeiter machen's

Sie stellen die breite Masse in jedem Unternehmen: Verlässliche Mitarbeiter, die täglich ohne großes Aufsehen ihre Arbeit tun. Personaler nennen sie abschätzig B-Player. Experten warnen: Wer die Mitarbeiter aus der zweiten Reihe vernachlässigt, setzt die Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens aufs Spiel.

KÖLN HB. Sie sind die Arbeitsbienen jedes Unternehmens. So genannte B-Player machen ihre Arbeit zuverlässig und sorgen dafür, dass die Unternehmensziele erreicht werden. Unauffällig und fleißig erledigen sie ihre Aufgaben, Karriere machen wollen sie nicht. "60 bis 80 Prozent der Belegschaft gehören zu den B-Playern", sagt Stephan Teuber von der Unternehmensberatung Loquenz in Leinfelden-Echterdingen.

Doch obwohl sie das Rückgrat jedes Unternehmens sind, stehen B-Player nicht im Fokus der Personalentwickler. Während so genannte High Potentials, also Mitarbeiter mit besonderem Talent, durch passgenaue Entwicklungsprogramme zu Führungskräften heranwachsen, übersehen viele Unternehmer die Mitarbeiter in der zweiten Reihe einfach.

Ein schwerer Fehler: "Schon die Bezeichnung B-Player demotiviert sie", warnt Heinrich Wottawa, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Ruhr Bochum. -Universität "Wenn sie dann noch das Gefühl vermittelt bekommen, Angestellte zweiter Klasse zu sein und nur einen geringen Wert für das Unternehmen zu haben, sinkt ihre Leistung dramatisch." Auch Unternehmensberater Teuber bestätigt den schweren Stand der B-Player: "Sie werden in der Regel ignoriert."

Die vernachlässigte Belegschaft reagiert frustriert: "Lässt man B-Player links liegen, werden sie motivationslos und lassen in der Leistung nach", sagt Michael Tippmann, Partner bei der Personalberatung Kienbaum Executive Consultants. "Zufrieden sind B-Player, wenn sie sich - egal welche Position sie innehaben - als Bestandteil des Unternehmens fühlen." Es sei die Aufgabe der Führungskräfte, der Hierarchieebene unter ihnen zu verdeutlichen, wie wichtig sie für den Unternehmenserfolg ist.

Das gilt besonders für mittelständische Unternehmen, denn dort identifizieren sich die Angestellten besonders stark mit dem Arbeitgeber, verlangen gleichzeitig aber auch mehr Fürsorge: "Sie erwarten, dass sich die Firma um die Mitarbeiter kümmert", sagt Tippmann. Der Personalberater sieht genau hier die große Stärke des Mittelstands: Anders als in Konzernen, in denen Personalentwicklung fast immer institutionalisiert ist, können mittelständische Betriebe ihre Mitarbeiter ganz individuell fördern. "Dem Chef sind die meisten Mitarbeiter persönlich bekannt", sagt Tippmann. "Er kann unmittelbar auf ihre Wünsche eingehen."

Dabei wollen die vergessenen Mitarbeiter oft gar keine umfassenden Förderprogramme und Kursangebote: "Es geht um das Vermeiden von Demotivation", sagt Teuber. "Ein guter Draht zur Führung, zu Kollegen und zu Untergebenen bewirkt schon, dass B-Player bei der Stange bleiben." Vor allem Vorgesetzte müssten lernen, die breite Masse richtig zu führen und zu motivieren: Persönlicher Kontakt, etwa durch regelmäßige Mitarbeitergespräche, sei das beste Mittel, um B-Playern das Stiefkind-Gefühl zu nehmen. Außerdem seien flexible Arbeitszeiten ein wirksamer Stellhebel für die Zufriedenheit der B-Player: "Ihnen kommt es auf eine ausgewogene Work-Life-Balance an", sagt Teuber.

Mitarbeiter aus der zweiten Reihe zum Karriereschritt in die Führungsetage zu zwingen, davon rät der Experte ab. Stattdessen brauchen sie Aufgaben, die ihren Fähigkeiten entsprechen und deren Erfüllung sie nicht zu sehr aus ihrer Komfortzone drängt: "Dann können sie in ihrem gewohnten Arbeitsumfeld auch schrittweise mehr Verantwortung übernehmen", weiß der Experte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%