Balda
Wettbieten um den Kunststoffhersteller

Der Verpackungshersteller Stevanato aus Italien hat sein Angebot auf 95 Millionen Euro hochgeschraubt. Damit reagiert Heitkamp & Thumann ins Hintertreffen. Ein Showdown auf der Hauptversammlung.

FrankfurtIm Bieterwettstreit um den westfälischen Kunststoffteile-Produzenten Balda kommt es auf der Hauptversammlung zum Showdown. Der Verpackungshersteller Stevanato aus Italien konterte am Freitag auf dem Aktionärstreffen in Hannover die Gegenofferte des Düsseldorfer Autozulieferers Heitkamp & Thumann (H&T), wie Balda mitteilte. Die Italiener schraubten ihr Angebot für das operative Geschäft des Unternehmens aus Bad Oeynhausen auf 95 Millionen Euro nach oben. H&T hatte wenige Stunden zuvor 90 Millionen Euro geboten und Stevanato damit zunächst um zehn Millionen überboten. Um die ehemals als Handyschalen-Hersteller bekannt gewordene Balda tobt seit Monaten ein Wettbieten.

Worüber die Aktionäre in Hannover am Ende abstimmen werden, war am Nachmittag völlig offen. Vorstand und Aufsichtsrat hatten einen Gegenantrag von H&T zugelassen, berieten am Nachmittag aber noch über die Zulassung der aufgestockten Kaufofferte aus Italien. Eigentlich hatte auf der Hauptversammlung nur das 80-Millionen-Angebot von Stevanato zur Abstimmung gestanden.

Balda hatte seine besten Zeiten als Hersteller von Kunststoff-Schalen für Handys, ist heute aber vor allem wegen seines Geschäfts in der Medizintechnik begehrt. Das Unternehmen beschäftigt 800 Mitarbeiter.

Treibende Kraft hinter dem Verkauf ist Aufsichtsratschef Thomas van Aubel. Der Berliner Rechtsanwalt ist Großaktionär von Balda. Das Unternehmen will den Erlös aus dem Verkauf an die Aktionäre ausschütten, die Balda-Aktie stieg deshalb am Freitag um 7,2 Prozent auf 2,51 Euro. Drei Bieter für Balda haben sich seit dem Herbst gegenseitig hochgeschaukelt: Das erste Gebot des Mittelstands-Investors Paragon hatte sich noch auf 62,9 Millionen Euro belaufen, der sich aber H&T früh geschlagen gab. Die Balda-Aktionäre hatten der Übernahme durch H&T schon einmal zugestimmt, ehe die Italiener ins Spiel kamen. Stevanato will im Gegensatz zu H&T auch die Marke "Balda" übernehmen. Die börsennotierte AG bliebe als leere Hülle erhalten. Sie soll zum Mittelstands-Investor umgebaut werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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