Banken bei Finanzierung auf dem Abstellgleis
Wer will schon um Kredite betteln

Falls die Banken in Deutschland hoffen, in nächster Zeit gute Geschäfte mit der Finanzierung des Mittelstands zu machen, werden sie vermutlich enttäuscht werden. Immer mehr Unternehmen wollen ihr künftiges Wachstum aus eigener Kraft stemmen. Selbst bei großen Investitionen werden die Banken zunehmend ausgebootet.

„Wir kaufen dann neue Lastkraftwagen, wenn wir sie bezahlen können“, sagt zum Beispiel Ernst Pfaff, Chef der gleichnamigen Spedition in Hamburg. So wie er sehen es viele. Vier von fünf Unternehmen wollen ihr künftiges Wachstum aus eigener Kraft stemmen. „Der Mittelstand wirtschaftet mehrheitlich nach dem Motto: Nur verdientes Geld darf auch ausgegeben werden“, resümiert Stefan Treiber, Geschäftsführer der Münchner Unternehmensberatung Candidus.

Candidus befragte 297 Fach- und Führungskräfte zum Thema Finanzierung. Die meisten von ihnen haben das Ziel, in Sachen Eigenkapital zuzulegen. Optimierungen bei der Bestandshaltung und beim Eintreiben von Forderungen sind die wichtigsten Wege, um mehr eigenes Geld in der Kasse zu haben. Vier von zehn Befragten arbeiten darauf hin.

Die meisten Unternehmer haben gelernt, dass es nützt, wenn sie selbst einen soliden Anteil des Geldes für Investitionen selbst mitbringen. Die Zahl derer, die ganz auf Bankkredite verzichten wollen, ist hoch: 27,5 Prozent schließen Bankkredite inzwischen kategorisch aus. Ganz ohne externe Finanzierung lassen sich aber viele Expansionen gar nicht angehen. Je größer das Projekt, desto eher muss ein Investor helfen. Vor allem die Expansion ins Ausland ist kaum allein mit Eigenkapital zu stemmen. Doch auch dabei werden die Banken immer öfter ausgebootet: Die Allianz mit Private-Equity-Firmen, wie sie der Brillenhersteller Rodenstock vorexerzierte, ist noch die Ausnahme. Denn „Finanzinvestoren mischen sich viel mehr als Banken ins Geschäft ein“, urteilt Treiber. Immer wichtiger werden dagegen Geschäftspartner und Kunden, die sich immer öfter über Genussrechte, stille oder Kommanditbeteiligungen, Genussscheine oder Anleihen beteiligen.

Wenn heute überhaupt noch mit den Banken über Finanzierungen verhandelt wird. Frieder Flamm, Gründer der Flamm AG, einem Hersteller von Auto- und Elektroteilen glaubt: „Das ist gesunde Vorsicht, sonst wird man erpressbar.“ Wie schwer man es anders herum hat, hat Flamm zu Beginn seiner Selbstständigkeit vor drei Jahrzehnten gelernt. „Damals haben die Banken die Konditionen diktiert“, erinnert er sich. Heute sagt lieber er ihnen, wo es lang geht, wenn er Kredite will. Der Ausbau des im Mai eröffneten Airbus-Zuliefererwerks in Schwerin war so ein Fall. 15,8 Millionen Euro brachte der Aachener dafür auf, ein Mix aus Eigenkapital und Bankkrediten. Das Land Mecklenburg-Vorpommern steuerte weitere 2,2 Millionen Euro bei.

40 Prozent und mehr kommen bei allen Vorhaben seines Unternehmens aus der eigenen Tasche, so auch bei diesem. Um den Rest zu finanzieren, lässt Flamm mehrere Banken antreten und vergleicht, wo er am wenigsten zahlt. In der Summe bezahlt Flamm so deutlich weniger für Kredite als noch vor einigen Jahren.

Vier von zehn Unternehmen haben im vergangenen Jahr ihre Eigenkapitalquote erhöht. Das ergab eine Befragung der staatlichen KfW-Bankengruppe von 6 000 Unternehmen. Und: Für jeden Sechsten haben sich die Finanzierungsbedingungen verbessert. Rund ein Drittel der Firmen klagt zwar noch über Probleme bei der Kreditvergabe. Doch selbst diese Zahl liegt zehn Prozent unter der des Vorjahres. Hauptgrund für die verbesserten Kreditbedingungen ist die höhere Bonität vieler Firmen. Frieder Flamm bestätigt: „Von den Banken kriegt man am besten Geld, wenn man keins braucht.“

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