Banken helfen Mittelständlern
Gemeinsam nach China

Immer mehr Mittelständler zieht es nach China. Doch für ein Unternehmen ohne Juristen und Bilanzexperten ist es schwer, in einem völlig fremden Markt mit ganz anderen Spielregeln zurechtzukommen. In besonderem Maße gilt dies für die Finanzierung. Wie Finanzdienstleister deutschen Mittelständlern im Reich der Mitte helfen

FRANKFURT. Wenn das Institut eine Repräsentanz in China hat, halten sich die meisten mittelständischen Kunden an ihre Hausbank, um die Finanzierung vor Ort zu regeln. Dabei ist auch festzulegen, in welcher Form das Eigenkapital – etwa das Stammkapital einer GmbH – aufgebracht wird. „Um das Stammkapital einzubringen, schaffen viele Unternehmen Anlagen nach China“, sagt Ying Li von der Wirtschaftsberatung Fritz und Mark aus Hamburg. In der Vergangenheit seien dies oft alte Maschinen gewesen. Inzwischen geht es auch um komplett neue Ausrüstungen, weil das Niveau der produzierten Waren steigt. Die Rahmenbedingungen sind freundlich: Die Unternehmen müssen keine Einfuhrumsatzsteuer und keinen Zoll zahlen. Um die Eigenkapitalausstattung komplett zu machen, überweist die Muttergesellschaft dann noch die nötigen Beträge nach China.

Eine Besonderheit im China-Geschäft ergibt sich aus den Regeln für den Devisenhandel. „Der Verwaltungs- und Prüfungsaufwand, der Banken bei Devisengeschäften in China entsteht, ist relativ hoch“, sagt Hans Schniewind, Chef der Dresdner Bank Schanghai. Die Bank muss für jede Transaktion schriftlich belegen, dass die Beträge in Yuan für einen erlaubten Zweck bestimmt sind. Aus diesem Grund ist der internationale Zahlungsverkehr eine aufwendige Dienstleistung der Bank für den Kunden. „Wir sichern auch Währungskursrisiken durch Forward-Geschäfte ab“, sagt Schniewind: Weil der Yuan an den Dollar gebunden ist, werden Lieferungen nach Europa zurzeit immer weniger rentabel, wenn das Unternehmen nicht vorsorgt.

Wenn es darum geht, Investitionen und Projekte zu finanzieren, ist auch für die chinesischen Töchter das beliebteste Instrument das eigene Geld – also ein Gesellschafterdarlehen. Die Banken kümmern sich darum, dass auch große Überweisungen aus Deutschland ohne zu große Gebührenverluste in China ankommen. Außerdem bieten die ausländischen Institute wie die Commerzbank oder die Dresdner Kredite auch in westlichen Devisen an, falls ein Unternehmen Bedarf hat.

Der Dienstleister Fritz und Mark vermittelt überdies Kredite lokaler Banken. Lis Erfahrung nach sind die Kredite leichter zu bekommen als in Deutschland – es gelten keine so strengen Regeln, wie etwa Rating-Vorgaben. Die Kunden der Dresdner Bank erhalten die Kredite direkt von der Schanghaier Filiale. Für längere Zahlungsziele sind Lieferantenkredite eine Option, die auch chinesische Partner gewähren. Fritz und Mark begleitet darüber hinaus für etablierte Unternehmen auch Börsengänge.

Ein Kunde der Dresdner Bank in China ist die Firma Schattdecor, die bedruckte Folien für Furniere und Laminat herstellt. Von Schanghai aus kommt die chinesische Tochter dem Bedarf der rasant wachsenden asiatische Mittelklasse an preiswerter, aber neuer Wohnausstattung nach. „Wir haben eine Eigenkapitalaussattung von etwa 40 Prozent“, sagt der örtliche Geschäftsführer Yi Zhu. Die 60 Prozent Fremdkapital hat er größtenteils in Form von Krediten aufgenommen. „Als die Dresdner noch keine Geschäfte in chinesischer Währung machen durfte, waren wir auch bei einheimischen Banken“, sagt Zhu. Seitdem die ausländischen Banken die Lizenz haben, wickelt er alles über diese ab: „Der Service ist viel besser als bei den chinesischen Instituten“.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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