Banken müssen anspruchsvolle Beratung bieten
Die Ära des billigen Kredits geht zu Ende

Die Finanzierung des Mittelstandes gehört zu den großen Herausforderungen für die deutsche Kreditwirtschaft im kommenden Jahr. Zwar bleibt der klassische Kredit „die Basis für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen“, wie es in einem jetzt vorliegenden Argumentationspapier des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) heißt.

FRANKFURT/M. Gleichzeitig befinde sich die Unternehmensfinanzierung aber in einem Wandel, da der Ausstattung mit Eigenkapital zukünftig eine viel höhere Bedeutung zukomme. Denn wer durch mehr Eigenkapital die Bonität des eigenen Unternehmens verbessere, werde durch günstigere Konditionen bei den Krediten belohnt, sagt Sparkassenpräsident Dietrich Hoppenstedt voraus.

Deshalb wird das Jahr 2005 im Zeichen des Übergangs von einer Kredit dominierten Finanzierung hin zum stärkeren Einsatz alternativer Kapitalmarktprodukte stehen. Der Kredit wird nicht ersetzt werden, aber die Banken müssen die Unternehmen „praxisgerecht“ beraten, damit die richtige Mischung aus alten und neuen Finanzierungsinstrumenten gefunden wird, so der BdB.

Im Jahr 2004 wurden wichtige Weichenstellungen vorgenommen, um die Versorgung der Mittelständler zu sichern. So nahm die KfW Bankengruppe in ihren gewerblichen Förderprogrammen Abschied vom Einheitszins und führte am Ausfallrisiko orientierte Sätze ein. Damit sollen die Banken, Sparkassen und Volksbanken bei der Durchleitung eines Förderkredits an die Kunden wieder ausreichend verdienen können. Allerdings werden die Unternehmerverbände ganz genau hinschauen, ob die risikoabhängigen Zinsen zu einer generellen Kreditverteuerung führen. „Ich hätte kein Verständnis dafür, wenn es jetzt nur zu Zinserhöhungen käme, es ansonsten aber beim Alten bliebe“, warnt Michael Rogowski, Präsident des Industrieverbandes BDI.

Kreditfabrik wird Strukturwandel nur abfedern

Eines der wichtigsten Zukunftsprojekte ist die von KfW-Chef Hans Reich angestrebte „Kreditfabrik“. Dahinter steckt die Idee, durch eine standardisierte Bearbeitung die „Produktionskosten“ für Kredite um rund ein Drittel zu senken. Die Sparkassen, die gut 40 Prozent der Mittelständler finanzieren, haben sich aber zurückhaltend gezeigt, da sie mit einem eigenen Projekt schon weiter sind. Beobachter halten es für möglich, dass die KfW erst einmal mit einer kleineren Gruppe von Banken an die Umsetzung geht. „Eine Lösung könnte auch sein, die bestehenden Systeme der verschiedenen Banken über die KfW zu koordinieren“, regt Christopher Pleister an, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken.

Aber auch die Kreditfabrik wird den Strukturwandel nur abfedern. Deutsche Banken sind heute einfach gezwungen, sehr genau auf die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zu achten. „Für den ’guten’ Mittelständler kann das von Vorteil sein; er bekommt risikoadäquate Konditionen und muss seine schwächeren Konkurrenten nicht mehr quersubventionieren. Unternehmen mit schlechter Bonität können nicht damit rechnen, dass die Kredite so fließen wie in der Vergangenheit“, sagt Jochen Sanio, Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Umso wichtiger werden alternative Ergänzungen wie etwa Beteiligungskapital oder Mezzanine (Mischform aus Eigen- und Fremdkapital). Allerdings werden diese Produkte – abgesehen vom Leasing – meistens nur größeren Unternehmen angeboten. Der BdB weist aber darauf hin, dass 95 Prozent aller Firmen weniger als fünf Mill. Euro Umsatz machen. Sie kommen damit für die Mehrzahl der Beteiligungsfonds nicht in Frage. Zu den Aufgaben für 2005 gehört deshalb die Erweiterung der alternativen Produktpalette nach unten, um die breite Masse der Unternehmer zu erreichen. Die wiederum bekommen alle ins Pflichtenheft geschrieben, dass sie transparenter werden müssen, um Zugang zu alten und neuen Finanzierungsquellen zu erhalten. Das heißt: zeitnahe Informationen zu den Sicherheiten, zur gegenwärtigen Lage und zur zukünftigen Strategie bereithalten.

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