Banken und Staatsanleihen: Familienunternehmer loben Blessing-Vorstoß

Banken und Staatsanleihen
Familienunternehmer loben Blessing-Vorstoß

Staatspapiere werden in Bankbilanzen bevorzugt behandelt. Die unglückliche Verquickung von Finanzwelt und Staaten ist Commerzbank-Chef Martin Blessing ein Dorn im Auge. Dafür erntet er Zuspruch aus der Unternehmenswelt.
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DüsseldorfStaatsanleihen sollten in Bankbilanzen nicht länger als risikolos gelten, hat Commerzbank-Chef Martin Blessing am Montag in einem Gastbeitrag im Handelsblatt gefordert. Der Bank-Chef stößt damit auf Zustimmung beim Verband der Familienunternehmer. „Die Erfahrungen mit Staatspleiten und Schuldenschnitten zeigen, dass Staatsanleihen nicht risikolos sind und daher auch nicht gegenüber Unternehmenskrediten bevorzugt behandelt werden sollten“, pflichtet Verbandspräsident Lutz Goebel bei.

Blessing sieht eine unheilige Allianz durch die bilanzielle Bevorzugung von Staatsanleihen. „Banken sollten angehalten werden, Überschussliquidität eher in der Realwirtschaft anzulegen, als in Staatsanleihen zu investieren“, schreibt Blessing. Diesen Ansatz loben die Familienunternehmen. Denn Staatsdarlehen seien „künstlich verbilligt“ und dadurch würden Unternehmen bei der Kreditvergabe benachteiligt. Für Kredite an Firmen muss von Eigenkapital in Abhängigkeit von der Bonität der Firma vorgehalten werden.

Derzeit gilt für Staatsanleihend er Euro-Zone eine Null-Prozent-Regel. Egal wie viel Bonds der Länder eine Bank in den Büchern hält – das Eigenkapital, das dafür vorgehalten werden muss ist null. Blessing spricht sich für eine behutsame Änderung aus, dass Banken schrittweise ab 2019 mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. „Innerhalb der Euro-Zone sollten Banken bis zur Großkreditgrenze von 25 Prozent des haftenden Eigenkapitals für die jeweiligen Staaten von einer Unterlegungspflicht ausgenommen werden“, schreibt der Commerzbank-Vorstandschef.

Weitere Details zum Blessing-Vorschlag finden Sie hier über diesen Link im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Banken und Staatsanleihen: Familienunternehmer loben Blessing-Vorstoß"

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  • Endlich!
    Das ist heller Wahnsinn, bei Griechenland & Co keine EK-Unterlegung zu verlangen, bei Firmenkrediten mit top-Rating ohne Sicherheiten jedoch den vollen Satz, z.B. 8 %.
    Aber der große Konflikt kommt noch: wie staffle ich den EK-Unterlegungsbedarf etwa nach Länder-Rating-Klassen? Das wird teuer für Länder mit schlechtem Rating; und welche Ratingagentur hält den Konflikt aus, der sich aus dieser Abstufung ergibt? (die aber der Markt längst vornimmt- nur eben ohne EK-Unterlegung).
    Eine Einstufung wie gute Firmenkredite ergibt bereits eine Erhöhung der Zinsen um ca. 1,5%, von einer Einstufung als schlechter Kredit ganz zu schweigen.
    Ich bin gespannt auf die Reaktion der betroffenen Regierungen.

  • Richtiger Vorstoß, aber kommt zur Unzeit und die Subventionierung ist lange bekannt. Steht in jedem Lehrbuch für Volkswirtschaftslehre. Wieso also gerade jetzt diese Vorderung aufstellen? Müssten Banken Staatsanleihen mit Eigenkapital unterlegen, würde das die Refinanzierungskosten erhöhren, was wiederum die Zinsen auf Staatsanleihen ansteigen lässt. Viele europäische Staaten würde dies ins schwitzen bringen. Können sich eh nur noch durch die subventionierten Zinsen der EZB und eben solchen Regulierungsanforderungen über Wasser halten. Eine derzeitige Veränderung hätte einen prozyklischen Effekt auf die Realwirtschaft, denn der Staatskonsum würde sinken. Banken sollten Ausfallwahrscheinlichkeiten von Staatsanleihen antizipieren und einen höheren Kapitalpuffer bilden(Interne Lösung). Alternativ müsste die EZB durch einen Zinsschritt gegenwirken(Externe Lösung). Daran dürften wiederum die Banken kein Interesse haben, denn mit negativen Zinsen lässt sich schwerer Geldverdienen. Somit ist die Intention des Vorstoßes klar, Banken müssen auf die Risiken reagieren, wollen aber nicht die Zeche zahlen.

  • Leader,
    Was macht Blessing ????
    Der hat doch sagenhafte Milliarden in seinen Büchern und zwar über 163 Milliarden Euro. Das macht fast ein Viertel seiner Bilanzsumme aus. Jetzt poltert dieser "Langstreckenläufer" gegen die Staatsanleihen, die Ihm auch im Halse stecken, wie ein Kloß.
    Das hätte Herr Blessing vorher Wissen müssen. als "ausgewiesener Finanzexperte" das die meisten Staaten ein Finanzierungsproblem haben. Da kauft man doch keine Anleihen, wie der des Landes Griechenland, das zu Wissen, die Goldmänner (Anm. Seine Frau ist bei Goldman&Sachs beschäftigt)haben die Bilanzen von Griechenland für tragfähig gehalten, damit konnte Griechenland dem Euroraum beitreten. Was dabei herauskam, sieht man doch.
    Kümmerliches und nicht nachvollziehbares Verhalten von Herr Blessing hier. Vielleicht will Herr Blessing seine Reputation wieder in's recht Licht rücken ?? Damit man seine Inkompetenz nicht noch höher bewertet.
    Sein Image ist als Banker dahin.

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