Bankenrating
Gute Noten brauchen Zeit

Die anziehende Konjunktur und die damit einhergehende Besserung der Ertragslage bedeutet nicht automatisch bessere Bankenratings für die mittelständischen Unternehmen. Auch bei einer guten Gewinnsituation dauere es im Schnitt drei bis vier Jahre, bis deutlich bessere Bonitätsnoten winkten, sagt Diethard Simmert, Professor und Rating-Experte an der International School of Management (ISM) in Dortmund. Deshalb bleibe es weiterhin von existenzieller Bedeutung, dass die Unternehmer an ihren Bilanzstrukturen arbeiteten.

FRANKFURT. Auch Robert Lilja, unabhängiger Firmenfinanzberater bei der Lilja & Co AG in Zürich, sieht die Ratings über einen längeren Zeitraum relativ stabil. Da die Kreditinstitute die Firmen auf lange Sicht beurteilen müssten, spiele die konjunkturelle Aufhellung nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr sollten die Manager daran arbeiten, ihre Positionierung im Markt und die Führungsqualitäten zu verbessern, um bessere Bonitätsnoten zu erreichen. Die Konjunktur könne höchstens eine schlechtere Einstufung aufschieben, Höherstufungen rührten meist aus bilanziellen und strukturellen Verbesserungen.

Der Frankfurter Rating-Experte Oliver Everling gibt eine differenzierte Einschätzung. Für einen Teil der Unternehmen könne die wirtschaftliche Erholung durchaus eine spürbare Entlastung über bessere Ratings bedeuten. Dies gelte vor allem für Firmen in Grenzbereichen, bei denen die Entscheidung für oder gegen einen Kredit auf der Kippe stehe.

Eine bessere Einstufung bei den Banken bringt Unternehmen handfeste Vorteilen. Nimmt man beispielsweise die Förderkredite der KfW Bankengruppe – die seit April 2005 nicht mehr zum Einheitszins vergeben werden – so zeigen sich deutliche Zinsunterschiede je nach „Preisklasse“. Die Zinsspanne zwischen der besten und schlechtesten Kategorie liegt im Schnitt bei gut drei Prozentpunkten. Ähnlich ist es bei den Sparkassen, die rund 43 Prozent aller Mittelstandskredite stellen. Laut Branchenschätzungen entspricht der prozentuale Wert der Ausfallwahrscheinlichkeit im internen Sparkassen-Rating der Marge, die die Institute vor Ort dem Interbankensatz zuschlagen. In der Sparkassen-Klasse „6“, der letzten im guten „Investment-Grade-Bereich“, beträgt der Aufschlag geschätzte 0,59 Prozentpunkte, in der Rating-Klasse „10“ im „Non-Investment“-Bereich sind es bereits 2,96 Prozentpunkte.

Um zu besseren Noten zu kommen, gibt es laut Simmert verschiedene Ansatzpunkte. So seien einfache Maßnahmen für die Aktivseite der Bilanz umsetzbar, etwa die Veräußerung materieller und immaterieller Vermögenswerte im „Sale-and-lease-back“-Verfahren. Ziel aller Anstrengungen müsse es sein, die Eigenkapitalquote zu erhöhen, da sie den größten Einfluss auf das Rating habe. Neben Maßnahmen zur indirekten Steigerung der Quote – etwa über Leasing oder den Forderungsverkauf (Factoring) – komme der direkten Erhöhung eine zentrale Rolle zu. Hierzu zählen laut Simmert etwa Gesellschafterdarlehen, Beteiligungskapital, echte Mitarbeiterbeteiligungen oder auch Mezzanine. Gerade Mezzanine-Kapital als Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital erlebt einen wahren Boom. Unternehmen wie die Hotelgruppe Maritim oder die Wurstfabrik Zimbo besorgten sich so frisches Kapital.

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