Bau neuer Kraftwerke Australien braucht frischen Strom

Australien muss in den kommenden Jahren seine Stromproduktion erheblich ausbauen – am liebsten mit erneuerbaren Energien. Da aber kaum Anlagen im eigenen Land produziert werden, ist Australien auf Importe angewiesen. Deutschland spielt hier eine wichtige Rolle.

bfai SYDNEY. Aufgrund einer insgesamt sehr positiven ökonomischen Entwicklung, die unter anderem auf einem Nachfrageboom für mineralische Rohstoffe, hohen öffentlichen und privaten Investitionen, einer starken Einwanderung und einer Hochkonjunktur bei Immobilien in einigen Landesteilen beruht, verzeichnet die Nachfrage nach Strom kräftige Zuwachsraten. Dies trifft besonders für die Bundesstaaten Queensland und Western Australia zu, wo sich die meisten Rohstoffvorkommen befinden und wo auch deren Weiterverarbeitung erfolgen soll (z.B. Aluminiumherstellung aus Bauxit).

Die australischen Stromerzeuger sind bemüht, die Produktionseffizienz der bestehenden Kraftwerke zu steigern. Sie fragen nach Technologien, Turbinen und Anlagen, die diesem Ziel dienlich sind.

Die Elektrizitätsproduktion in Australien beruht zu etwa 80 Prozent auf dem Einsatz von Kohle (Stein- und Braunkohle) in Wärmekraftwerken. Diese Stromerzeugung ist konkurrenzlos preiswert aber auch wegen der hohen CO2-Emissionen sehr umweltbelastend. Australien als größter Kohleexporteur der Welt und einer der weltweit größten Stromerzeuger auf Basis von Kohle, will vom Kyoto-Protokoll wenig wissen, um seine profitable Kohleindustrie nicht zu gefährden. Trotzdem unternimmt das Land große Entwicklungsschritte (Saubere-Kohle-Technologie), um den Ausstoß an Treibhausgasen effektiv zurückzuführen.

Im Vordergrund steht dabei der Einsatz neuer Kraftwerkstypen. So werden in Queensland Kohlekraftwerke mit deutlich niedrigeren Kohlendioxidabgasen und einer wesentlich höheren Stromerzeugung errichtet. Dies hat Auswirkungen auf die nachgefragte Generatorentechnologie. Ferner kommt vermehrt Gas mit niedrigeren CO2-Werten zum Einsatz. Es stammt aus drei Quellen: Naturgas, Deponiegas und Kohleschichtgas (Flözgas - Methan). Der Einsatz von letzterem in Kraftwerken findet besonders in Queensland eine steigende Verbreitung.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen - Wind, Sonne, Biomasse, Wasser - gewinnt in Australien nur langsam an Gewicht. Aufgrund einer seit vielen Jahren bestehenden Dürreperiode ist die Elektrizitätsproduktion aus Wasserkraft reichlich prekär geworden. Der Aufbau von Windkraftanlagen schreitet langsam voran, stößt aber immer noch auf administrative und andere Hindernisse. Innerhalb des Marktes für Generatoren ist das Marktsegment Windgeneratoren jedoch das dynamischste. Nur in drei Bundesstaaten - Victoria, Tasmanien und South Australia - gibt es einen nennenswerten Einsatz von Windkraftanlagen. In Victoria befindet sich der Aufbau eines Solarkraftwerks auf photovoltaischer Basis in der aktiven Planungsphase. In New South Wales entsteht ein Aufwindkraftwerk. Biomasse zur Stromerzeugung findet in Queensland Verwendung.

Die National Electricity Market Management Company (NEMMCO) schätzt die vorhandenen nationalen Kraftwerksreserven als knapp ein. Die installierten Kapazitäten betragen rd. 44 000 bis 46 000 MW. Bis zum Finanzjahr 2015/16 müsste nach NEMMCO-Berechnungen die Leistungsfähigkeit für die allgemeine Stromversorgung auf rd. 52 000 MW aufgestockt werden, sodass störungsfreie Elektrizitätslieferungen erfolgen können. Bei privaten Firmen bestehen Kraftwerksanlagen, die Strom nur für betriebliche Zwecke liefern. Die entsprechenden Kapazitätsschätzungen gehen von 4 000 bis 6 000 MW aus.

Australien braucht Strom im Grundlastbereich. Dieser lässt sich über erneuerbare Energien in Australien nicht bereitstellen. Es müssen also konventionelle Kraftwerke mit entsprechenden Generatoren gebaut werden. Um dem Dilemma hoher CO2-Emissionen zu entkommen, schlägt die Bundesregierung in Canberra den Bau von 25 Atomkraftwerken vor. Derzeit gibt es kein Atomkraftwerk in Australien. Der politische Widerstand gegen die Nukleartechnologie ist jedoch enorm.

In der australischen Kraftwerksindustrie sind vorwiegend noch staatliche Unternehmen tätig. Lediglich in Victoria und South Australia stehen die Kraftwerke unter privater Regie. Im Bereich der erneuerbaren Energien sind nur Privatunternehmen als Stromerzeuger tätig. Ende 2005 gab es landesweit etwa 35 Firmen in diesem Sektor. Den größten Marktanteil an der Stromerzeugung hatten die Unternehmen Macquarie Generation, Delta Electricity und Loy Yang.

In New South Wales bestehen drei staatliche Stromerzeugungsfirmen, die nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden. Die Regierung dieses Bundesstaates wünscht jedoch, dass sich neben diesen Unternehmen auch private Kraftwerksbetreiber engagieren. Auch in anderen Bundesstaaten mit einer dominanten staatlichen Elektrizitätswirtschaft gibt es Bemühungen, stärker mit Privaten zu kooperieren. Die Deregulierung in der australischen Elektrizitätswirtschaft schreitet voran.

Generatoren für große Kraftwerke werden in Australien nicht hergestellt. Es besteht bestenfalls eine Montageproduktion. Der Bedarf daran muss vollständig importiert werden. Auf nationaler Ebene erfolgt lediglich die Fabrikation von Kleingeneratoren - unter 5kVA bis 400kVA -, die unter anderem in Verbindung mit Dieselmotoren als Notstromaggregate oder Stromaggregate in entlegenen Landesteilen dienen.

Auf dem australischen Markt für Generatoren sind vorwiegend multinationale Hersteller mit Tochterunternehmen engagiert, die für permanente Serviceleistungen - Lagerhaltung und Vertrieb - gegenüber Kraftwerksbetreibern garantieren können. Größere Kraftwerksprojekte werden ausgeschrieben. Die Stromerzeuger engagieren die Dienste von sogenannten Engineering, Procurement and Construction (EPC) Firmen, die dann unter den Generatorenanbietern ihre Auswahl treffen. Manche Generatorenhersteller, die der Auffassung sind, dass ihre Erzeugnisse neusten technologischen Entwicklungen entsprechen, setzen sich mit den Kraftwerksbetreibern direkt in Verbindung.

Die ausländischen Lieferanten von Generatoren müssen darauf achten, dass ihre Erzeugnisse den Normen des International Electrotechnical Committee (IEC) und den Australian Standards entsprechen. Australien verfügt außerdem über strenge Arbeitsschutz- und Sicherheitsbestimmungen.

Bei den Importen von Stromerzeugungsanlagen bestehen keine mengenmäßigen Einfuhrbeschränkungen. Der Zoll für die meisten Erzeugnisse beträgt 5 Prozent. Berechnungsbasis dafür ist der cif-Wert der Ware. Erzeugnisse aus Ländern, mit denen Australien ein Freihandelsabkommen unterzeichnet hat, sind von Zollabgaben befreit. Auf alle eingeführten Generatoren wird jedoch eine Mehrwertsteuer von 10 Prozent erhoben.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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