Bauboom auf der arabischen Halbinsel
Golf – Visionen mit Nischen

Der Bauboom hat fast die ganze arabische Halbinsel erfasst. Vom Wolkenkratzer bis zur Infrastruktur - die aktiven Projekte haben die 2500-Milliarden-US-Dollar-Marke übersprungen. Für einen deutschen Mittelständler ist es nicht unbedingt einfach, sich einzubringen.

DUBAI. Wer hierzulande die Lage auf dem Baumarkt beschreiben will, denkt schnell an Häuslebauer und Sparzinsen. In den ölreichen Golfländern ein abstruser Gedanke. "Vision" heißt dort das Zauberwort. Der Trendsetter Dubai setzt Maßstäbe, und so entstehen von Kuwait bis Oman neue Satelliten- und Trabantenstädte - immer größer, höher und teurer. Gebaut wird trotz hoher Projektkosten, die sich binnen weniger Jahre verdoppelt haben. Die Petrodollarquellen sprudeln ergiebiger denn je. Wo viel ausgegeben wird, kann viel verdient werden - Ersteres ist einfacher.

Haben deutsche Mittelständler, die noch nicht vor Ort sind, eine Chance beim großen Monopoly-Spiel am Golf? "Ja, aber ...", antwortet Hannes Werner, Chef von Spielmann?s Design Consulting Dubai und selbst seit mehreren Jahren im Geschäft. "Für Innenausbau und-ausstattung wird zum Beispiel eine breite Palette von Waren importiert, aber die Produkte müssten auf die Nachfrage speziell zugeschnitten sein."

Auch wenn Bauherren fast unerschöpfliche Geldmengen zu besitzen scheinen, heißt dies noch lange nicht, dass sie Qualität erkennen und sich leisten wollen. Gerade in Dubai baut fast jeder nur aus Spekulations- und Renditegründen. Aus einem preisgünstigen indischen oder chinesischen Hahn fließt auch Wasser. Die kurzfristige Gewinnmarge ist oft wichtiger als längerfristiger Sanierungsbedarf. Deutsche Unternehmen, die da mithalten wollen, müssen spezielle Billigserien auflegen. Dann sind durchaus gute Geschäfte möglich. Die Kehrseite der Medaille: Der Markenname könnte leiden.

Gute Karten haben Anbieter von passgenauen Nischenprodukten. Ein Feuchtigkeit speicherndes Granulat auf den Wüstensand gestreut, bevor der Rollrasen ausgelegt wird - nur ein Beispiel für eine einfache und brillante Geschäftsidee eines deutschen Unternehmens. Wer etwas Konkurrenzloses anzubieten hat, ist ebenfalls im Vorteil. Beispiel Kronleuchter - hier kann deutschen und österreichischen Herstellern kaum jemand das Wasser reichen.

Und wie sieht es bei Dienstleistern aus? "Rund um den Bau sind sie überall gefragt, aber Deutschland ist weit weg. Wer mitmachen will, muss vor Ort sein", sagt Werner. Der ständige persönliche Kontakt zum Kunden ist wichtig. Aber auch die Steuerfrage ist nicht zu unterschätzen. Unternehmen, die für ihre Golfmitarbeiter Steuern zahlen müssen, sind kaum wettbewerbsfähig. Eine steuerfreie Firma vor Ort ist deshalb sinnvoll.

"Wer in die Vereinigten Arabischen Emirate kommt, muss aber erst einmal viel Geld mitbringen", stellt Heike Bernhardt vom Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft fest. Die Mieten sind hoch, die Zahlung jährlich im Voraus erforderlich. Billig war einmal, und in den anderen Golfstaaten ist es nicht anders.

Die Wahl eines geeigneten Standorts hängt von vielen Faktoren ab. Dubai liegt zentral, ist am weitesten entwickelt und strategisch gut positioniert. Gebaut wird noch jahrelang und saniert wohl noch viel länger. Aber dieser Markt ist aufgeteilt und ziemlich satt. Alle, die Rang und Namen haben, sind schon da. In Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und Bahrain ist das noch lange nicht der Fall. Die neue Boom-Town ist derweil nur eineinhalb Stunden Fahrzeit von Dubai entfernt, sagen Bernhardt und Werner: Abu Dhabi. Dort wird weniger spekulativ, sondern durchdachter und nachhaltiger gebaut - deutschen Unternehmen liegt dies mehr.

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