Bauhauptgewerbe vom Stellenabbau am stärksten betroffen
Handwerk steckt weiter in der Krise

Die Zahl der Beschäftigten im deutschen Handwerk ist 2004 deutlich um 3,4 Prozent gesunken. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, gingen auch die Umsätze im selbstständigen Handwerk im Vergleich zu 2003 um 1,6 Prozent zurück.

WIESBADEN. Nach der Änderung der Handwerksordnung zum Jahresbeginn 2004 umfasst das Handwerk 41 zulassungspflichtige Handwerksberufe. In fünf der sieben Gewerbegruppen fiel der Umsatz im Vergleich zum Jahr 2003, am stärksten dabei mit 7,2 Prozent im Gesundheitsgewerbe. Hier mussten etwa Augenoptiker niedrigere Umsätze verkraften, da Kunden ihre Brillenkäufe wegen der Gesundheitsreform 2004 noch ins Jahr 2003 vorgezogen hatten. Das Gesundheitsgewerbe war hingegen die einzige Gruppe, wo die Zahl der Beschäftigten anstieg - nämlich um 0,5 Prozent.

Der Personalabbau war im Bauhauptgewerbe mit einem Minus von 6,5 Prozent am größten, gefolgt vom Ausbaugewerbe mit einem Minus von 5,0 Prozent. In diesen beiden Gewerbegruppen verringerte sich die Zahl der Mitarbeiter laut ZDH binnen Jahresfrist um rund 105 000. „Der Bau zieht unsere Statistik nach unten“, sagte ZDH-Sprecher Alexander Legowski in Berlin. Mit Umsatzeinbußen - sie betrugen 2004 bei den Betrieben mit Meisterzwang 1,6 Prozent - rechnet Legowski auch für 2005.

Auch bei der Beschäftigung „sieht es in vielen Bereichen, vor allem am Bau, nicht so aus, als würde es zu einer durchgreifenden Besserung kommen“. Da die Konjunkturdaten ständig nach unten korrigiert würden, könne das Handwerk auch 2005 „nicht mit einem positiven Umfeld rechnen“. Das Handwerk sei von der Nachfrage abhängig. „Wenn die sich nicht erholt, wird es schwer.“

Nach den Zahlen des ZDH sind im vergangenen Jahr gut 40 700 Betriebe neu angemeldet worden. „Davon dürfen wir uns nicht blenden lassen“, sagte Legowski. Denn dies sei zwar eine Steigerung um 4,8 Prozent, aber der Großteil mit rund 27 600 seien Betriebe in den 53 Berufen gewesen, in denen zur Firmengründung kein Meisterbrief mehr erforderlich sei. Auf das so genannte Vollhandwerk entfielen nur gut 7500 Neuanmeldungen. Seit der Änderung der Handwerksordnung Anfang 2004 drängen nach Angaben von Legowski die Neugründer ohne Meisterbrief in die zulassungsfreien Handwerke. So habe sich dabei die Zahl der Fliesenleger um 106 Prozent, die der Gebäudereiniger um 96 Prozent und die der Parkettleger um 65 Prozent gesteigert.

„Das sind Kleinstunternehmen, die schaffen keine Beschäftigung und keine Ausbildung“, meinte der ZDH-Sprecher. Diese Betriebe arbeiteten häufig als „Dumping-Konkurrenz“. Es sei schwer für Betriebe mit nach den deutschen Tariflöhnen bezahlten Arbeitnehmern noch Aufträge zu bekommen. Da auch die Schwarzarbeit dem Zentralverband nach wie vor Sorgen macht, fordert er die steuerliche Begünstigung von haushaltsnahen Dienstleistungen auch auf handwerkliche Tätigkeiten auszuweiten. So könnten Privatleute gegen Rechnung einen Vollhandwerker bestellen und trotzdem Geld beim Fiskus sparen. Das sei ein direkter Weg, um die Schwarzarbeit einzudämmen, sagte Legowski.

Das Statistische Bundesamt ermittelt die Daten durch eine Stichprobenerhebung bei rund 50 000 Handwerksbetrieben und veröffentlicht keine absolute Zahlen. Der Branchenverband ZDH erwartet nach früheren Angaben auch im laufenden Jahr ein Umsatzminus und einen weiteren Verlust von Arbeitsplätzen. Spürbar aufwärts gehe dürfe es erst 2006.

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